Folia archeologica 26.

Die Ausgrabungen des ungarischen Nationalmuseums im Jahre - András Pálóczi-Horváth: Bericht über die Ausgrabung des mittelalterlichen Dorfes Szentkirály

188 A. PÁLÓCZI-HORVÁTF Seite des Holzbaues Schilfbün del an, wahrscheinlich wurde hiermit das in den Brunnen sickernde Wasser gefiltert (Abb. 2). 1 0 Der Brunnen wird durch das in der Einfüllung gefundene Scherbenmaterial und der darüber sich befindenden Abfallgrube auf das 15. Jahrhundert datiert. Beachtenswert ist die Lage des Brunnens innerhalb der Siedlung. Annähernd liegt er auf der Terrainhöhenlinie 101,0 m; das wäßrige Gebiet beginnt um 100,25 100,50 m, während die Wohnhäuser aufgrund der Erfahrungen der I. Arbeits­stelle bei der Höhenlinie von 101,50 m oder noch höher erbaut worden sind. In der nahen Ortschaft Nyársapát hat A. Bálint einen mittelalterlichen Brunnen ausgelegt. 1 1 Beide Brunnen gehören in die Gruppe der gegrabenen Brunnen (puteus, puteus profondus) , die im Mittelalter sehr wertvoll waren und wenn wir an die herrvorragend gebaute, geistreiche Konstruktion des Brunnens von Szentkirály denken, so ist es auch verständlich, weshalb. Die mittelalterlichen Dörfer hatten im allgemeinen einen gemeinsamen Brunnen, über eigene Brunnen verfügten nur die größeren adeligen Kurien. 3 2 Hoffentlich werden die weiteren Ausgrabungen entscheiden, welche Gebäude in der Nähe des Brunnens gestanden haben und auf diese Weise wohin der Brunnen dem Besitzrecht nach gehört. Unsere III. Arbeitsstelle ist die reformierte Kirche und ihre unittelbare Umge­bung. Der südwestliche, mit Strebepfeilern versehene Teil der Kirche ist mittel­alterlichen Ursprunges, so wie es uns 1971 bei der Untersuchung der Fundamen­tierungen zu beweisen gelungen ist. Im Jahre 1973 legten wir an derN O-Seite der Kirche 20 Gräber mit den durch Unterziffern bezeichneten Skelettresten zusam­men insgesamt 25 Personen frei. Wir konnten hier 6 Grabschichten feststellen. Die Orientierung ist der Richtung der mittelalterlichen Kirche entsprechend im allgemeinen SW-orientierte, die auf die Achse der Kirche senkrecht lagen und möglicherweise noch vorkirchenzeitliche Bestattungen sind. Das archäologische Material des Friedhofes war der Epoche entsprechend ziemlich kärglich. In zwei Gräbern konnten irgendwelche Trachtspuren beobach­tet werden: in Grab Nr. 14 die Reste einer Filzmütze, ferner Textilienreste in Grab Nr. 15. In der Erde des Grabes Nr. 11 fanden wir einen aus älterem, zu­grunde gegangenem Grab stammenden gepreßten silbernen Kleiderschmuck, der einen sechsstrahligen Stern darstellt und dessen Vergoldung in gutem Zustand erhalten geblieben ist (Abb. 3). Seine Analogien aus dem 14. Jahrhundert können wir im Ausgrabungsmaterial von К Szabó aus der Gegend von Kecskemét finden. 1 3 Bisher ist dieser Gegenstand der einzige archäologische Beweis dessen, daß hier die Belegung des Friedhofes tatsächlich zur Zeit der Besitzschenkung, in der Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen hat. Beachtenswert sind die Sargbestattungen der späteren Schichten: das Holz­material ist im allgemeinen in gutem Zustand erhalten geblieben, die Sargkon­struktion war öfters zu beobachten. Die genagelten Brettsärge gehören im allgemei­1 0 Am Nagykunság war es üblich, die quadratischen Brunnen mit durch Prügel befestigten Schilfwänden vor dem Einsturz zu bewahren: Györffy, Gy. — Viski, K., Tárgyi néprajz II. A ma­gyarság néprajza. II. (Bp. о. |.) 90. 1 1 Bálint, A., MFMÉ 1960—1962. 71—72, 82., Abb. 10—11. 1 2 S^abo, I., A középkori magyar falu. (Bp. 1969) 163—165. 1 3 S Zabó, К., Kulturgeschichtliche Denkmäler der ungarischen Tiefebene. BHH 3. (Bp. 1938) Abb. 232, 237.

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