Folia archeologica 25.

Pavel J. Michna: Archäologische Nachweise der mährisch-ungarischen Beziehungen im 15. Jahrhundert

182 P. J. MICHNA Die kulturellen Verbindungen zwischen Mähren und Ungarn wurden auch nach dem Tode von Matthias Corvinus (1490) nicht unterbrochen. Trotzdem Mähren auf Grund des Vertrages an die böhmische Krone zurückfiel, wurde der Bischofssitz vom Olmütz mit dem ungarischen Feudalherrn Stanislaus Thurzó (1497—1540) besetzt. Er war ohne Zweifel eine große Persönlichkeit, mit engen Bindungen an die beiden Hauptzentren der Renaissance nördlich der Alpen: die ungarische, von humanistischer Kultur am Hofe des Königs Matthias durch­drungene Residenzstadt Buda und das polnische Krakau. Die höhere Bildung errang er wohl an der Universität von Padua, wo er aus den reichen Quellen des italienischen Humanismus schöpfen konnte. Kein Wunder, daß es gerade Olmütz war, wo die erste humanistische Gesellschaft, genannt Sodalitas Marcomanica, in den böhmischen Ländern entstand. Ihr führendes Mitglied war Doktor August Käsebrod, der 1512 den Prager Hof des Königs Wladislaus verließ und nach Olmütz übersiedelte. Es ist übrigens nicht belanglos, daß die späteren Bischöfe von Olmütz, Johann Dubravius und Marcus Kuen, ihre Jugend in diesem ge­bildeten Milieu verbrachten. Die Besetzung des Olmützer Bischofssitzes mit Stanislaus Thurzó schuf auch günstige Bedingungen für die Übernahme neuer Ideen auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Die Vorliebe des Bischofs für Kunst beweist u. a. die Bestel­lung zweier Tafelbilder von Lukas Cranach (1472—1553), die für Olmütz oder Kremsier (Kromëriz) bestimmt waren. 2 Für unsere Forschung ist es jedoch wich­tiger, daß mit dem Namen Stanislaus Thurzó die Entstehung der ersten Renais­sancebauten in Mähren und Böhmen verbunden ist. Im ostmährischen Kremsier begegnen wir Renaissance-Elementen an steinernen architektonischen Details, die zum Umbau des Schlosses gehörten, von Thurzó schon zu Beginn des 16. Jahr­hunderts unter Beteilung italienischer Künstler durchgeführt. Nach den letzten Forschungen ist ein Zusammenhang zwischen Buda und Kremsier auch stilkri­tisch nachweisbar. 3 Die ungarisch-mährischen Kontakte beschränkten sich ohne Zweifel nicht lediglich auf die geistige Sphäre, sondern kamen auch in der materiellen Kultur zum Ausdruck. Als Beweis dienen gewöhnlich die Erbauung und Ausschmük­kung mancher mährischen Schlösser. Neben den Denkmälern der profanen und kirchlichen Architektur bleiben allerdings die Erzeugnisse mittelalterlicher Töpfer, namentlich die Ofenkacheln, meist außer acht, deren Reliefschmuck oft entweder eine ungarische Provenienz oder wenigstens eine auf dem Einfluß ungarischer Töpferwerkstätten beruhende Tradition bezeugt. In den Sammlungen der südmährischen Museen sind nur wenige solche Kacheln identifiziert. Meist stammen sie aus Streufunden älteren Datums, bilden keine geschlossenen Fundkomplexe und werden auch von keinen datierbaren Gegenständen begleitet. Einige Ofenkacheln wurden aber bei archäologischen - Kremsir (Ostmähren) war eine des Residenzen des Bischofs von Olmütz. 3 ]и%а, V. — Krsek, I. usw. Kromëriz. (Praha 1963) 29—30.; Kropdcek, ]., On triumphal motifs in the early period of the Renaissance art in the North. Umëni 20(1972) 268—276.

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