Folia archeologica 25.

Edit B. Thomas: Martyres Pannoniae

146 E. В. THOMAS L. Barkóczi datiert die hier beschriebene Grabgruppe annähernd zwischen die Jahre 270 und 320. 5 5 Uns auf die von ihm veröffentlichte Gräberfeldkarte, 56 sowie auf unsere bei der Grabung an Ort und Stelle gemachten Beobachtungen stützend, haben wir den Eindruck gewonnen, daß es sich im Falle des südlich vom Castrum von Brigetio gelegenen Friedhofsabschnittes um eine Grabgruppe handelt, die um ein Gebäude, dessen Spuren in der Form eines sehr minderwerti­gen Mauerwerkes die Ausgrabung ans Tageslicht gebracht hat, angelegt wurde. Nehmen wir den christlichen Charakter der Gräber an, so ist es nicht zu bestreiten, daß die stark beschädigte Mauer das Grab irgendeiner ehrenvollen Person eines heiligen Märtyrers, oder seine Reliquien umgeben haben dürfte, und wir müssen im Begräbnis um diese Ruhestätte die christliche Begrabungssitte ad satictos, oder ad martyres sehen. 5 7 Unsere Meinung, wonach wir in der von L. Barkóczi veröffentlichten, als heidnisch betrachteten Grabgruppe einen christlichen Bestattungsplatz voraus­setzen, unterstützt in großem Maße die Äußerung des Ausgräbers bzw. die Fest­stellung der Publikation, laut der „No coins were found in the graves, thus with regard to the determination of time we are dependent on the material finds and on comparison with other cemeteries of Brigetio." 5 8 Das Fehlen der Münzen beweist die christliche Sitte bzw. einen christlichen Bestattungsritus. All dies miteinander verglichen, entfaltet sich das Bild vor uns, daß in den ersten Jahren des 4. Jahrhunderts in Brigetio ebenso, wie im ganzen Reich die Christen einer Verfolgung und des Martyriums ausgesetzt waren, — den mate­riellen Beweis hierfür hat der den Gegenstand unserer Abhandlung bildende in­schriftliche Ziegel verewigt. Daß sich an dem Beispiel der Märtyrer eine blühende und ziemlich große christliche Gemeinde ausgebildet hat, illustrieren die Gräber der vom Lager südlich gelegenen Grabgruppe. In Grab Nr. 1 wurde der eine Vorsteher — Bischof, oder Presbyter — der christlichen Gemeinde mitsamt dem Abzeichen seines Amtes, dem Hirtenstab begraben. Schon in den letzten Jahrzehnten des 3. Jahrhunderts können wir in den den Christen gegenüber toleranten Zeiten mit der Gegenwart einer christlichen Gemeinde in Brigetio rechnen. In den Märtyrern läßt sich ein Beweis der Gegen­wart des auch am Limes verbreiteten, in pannonischer Relation frühen Christen­tums vom Ende des 3. Jahrhunderts erblicken. Während wir aus den Zeiten nach Konstantin schon über zahlreiche archäo­logische Denkmäler von altchristlicher Beziehung auch vom transdanubischen Gebiete Pannoniens verfügt haben, stießen wir bisher auf keine Spuren des hiesigen Christentums der früheren Jahrhunderte. In den auf den Ziegelinschriften von Brigetio verewigten Märtyrern sowie in den südlich vom Castrum gelegenen Grabgruppen bestatteten Personen er­blicken wir vermutlich solche Christen, die bereits in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts Anhänger Christi waren. Unabhängig davon, ob sie aus Italien oder aus dem Orient stammen, ist es sehr wahrscheinlich, daß viele von ihnen schon seit längerer Zeit in unserer Provinz gelebt haben. 5 5 Barkóczi, L., a.a.O. 257. 5 6 Ebd. 216f. Fig. 1 und 2. « Kaufmann , C. M., a.a.O. 210ff. 5 8 Barkóczi, L., a.a.O. 249.

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