Folia archeologica 25.

Edit B. Thomas: Martyres Pannoniae

142 E. В. THOMAS Zur genauen Feststellung der Herstellungszeit der Inschrift und der Zeit des im Text festgelegten Martyriums sowie zur Einengung der breiten Datierung kann man nebst Berücksichtigung der sich auf die Christenverfolgung in Panno­nién beziehenden Daten einen Versuch unternehmen. In der Christianisierung der Donaugegend und der mit ihnen benachbarten Provinzen bildet die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts eine bedeutende Periode. In Makedonien, Salona, Aquileia faßte das Christentum im Laufe der fünfzig Jahre Wurzeln bzw. organisierte sich in Kirchengemeinden. — Den Beginn dieser Periode bezeichnet das im Jahr 260 herausgegebene Edikt. Die diesem folgende, etwa 40 Jahre lang dauernde Friedensperiode ermöglichte auch in Pannonién die größere Missionstätigkeit. 3 1 Diocletianus strebte von den ersten Jahren seiner Herrschaft an, die alten römischen Sitten und Gesetze zu erneuern und damit im Zusammenhang den Kult der das Wohl des Reiches sichernden Götter zu vertiefen. Im Zeichen dieser restaurierenden Religionspolitik versuchte er die mit dem römischen Kultleben im Gegensatz stehenden Ideenströmungen, unter anderen auch die Verbreitung des Christentums einzudämmen. 3 2 Trotz des zwischen dem Christentum und dem Imperium bestehenden ideologischen Gegensatzes hat sich ein Teil der Christen am Ende des 3. Jahrhunderts mit dem Reichsgedanken abgefunden und neigte zu einem Kompromiß mit dem Polytheismus. Dies hat im Regime eine Zeit lang die Hoffnung erweckt, daß man die Christusfolgern auch ohne Anwendung von Gewalt zum Kult der alten Götter zurückführen kann. Während Gallienus die Christen nur aus seiner Hofhaltung und aus der Armee entfernen ließ, griff Diocletianus, indem er die friedlicheren Mittel bei­seite legte, schließlich zur gewaltsamen Verfolgung, um durch diese seine reli­gionspolitischen Ziele verwirklichen zu können. Das erste Verfolgungsedikt vom 23. Februar 303 datiert, schließt die Christen aus den Staatsämtern aus, entzog ihnen ihr Recht zur Prozeßführung und kon­fiszierte sämtliches Vermögen der Kirchen. Das zweite und dritte Edikt richtete sich ausschließlich gegen den Klerus. Im Jahre 304 erschien noch ein viertes Edikt, das einem jeden Untertanen des Reiches, so auch den Christen die Opfer­darbringungspflicht zu Ehren der heidnischen Götter vorgeschrieben hat. 3 3 Die Durchführung dieser Edikte zog für das junge Christentum Pannoniens verheerende Folgen nach sich. Jene Priestermärtyrer, deren Namen und Leidens­geschichte die Quellen aufbewahrt haben, erlitten den Märtyrertod noch im Jahre 303. Die Verfolgung hat demnach schon im ersten Jahr die pannonische Kirchenorganisation zerstört und die Laienchristen ihren Vorstehern beraubt. T. Nagy schreibt, daß uns über das Verhalten der Laien gegenüber der Verfolgungen noch wenigeres bekannt ist, als im Falle des Klerus. 3 4 3 1 Nagy, T., Die Geschichte des Christentums in Pannonién bis zu dem Zusammenbruch des römischen Grenzschutzes. DissPann 11:12. (Bp. 1939) 19.; Kenner, F., Noricum und Pan­nonién. Ber. u. Mitt. d. Altertumsver. Wien 11(1870) 85. 3 2 Nagy, T., a.a.O. 53. 3 3 Die pannonischen Beziehungen der Verordnungen des Zeitalters faßt T. Nag)', a.a.O. 54—55 aufgrund der Beschreibungen der Kirchenväter zusammen. 3 1 Ebd. 56.

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