Folia archeologica 25.

Edit B. Thomas: Martyres Pannoniae

140 E. В. THOMAS M ist einmal vorhanden. Der korpulente, zwei Buchstabenplätze einnehmende M-Buchstabe mit offener Hasta wurde in den Kursivtexten in dem 1,-—4. Jahrhundert allgemein gebraucht. 2 4 In altchristlichem Milieu finden wir diese Buchstabenform auf Inschriften der Jahre 297, 310 und 331. 23 N kommt im Text fünfmal vor. Zuweilen bilden sich an ihm infolge der schwungvollen Schrift kleine Sohlen aus. Beim Beginn der Buchstaben A und M ist eine gleiche Lösung wie des N vier Jahrhunderte hindurch in den Kursivtexten allgemein zu beobachten. 2 6 Eine mit den M-Buchstaben un­serer Inschrift völlig übereinstimmende Form findet sich auf einer altchristli­chen Inschrift aus dem Jahre 331. 27 О kommt viermal vor. Die aus zwei Bögen bestehenden O-Lösungen passen sich den in der Inschrift größtenteils gebotenen Buchstabentypen an. P kommt in einem Falle vor. Seine senkrechte Hasta beginnt etwas geschweift, wie auch im Falle des Buchstaben F und deutet auf diese Weise die leichte, schwungvolle Geschwindigkeit des Schreibens an, als deren Folge sich auch eine kleine waagerechte Sohle ausgebildet hat. Q kommt im Text einmal vor. Im wesentlichen stimmt es dem Stil nach mit der Lösung der Buchstaben О und G überein. R steht zweimal in der Inschrift. Seine Form trägt die Eigenartigkeit der In­schriften des 3.—4. Jahrhunderts an sich. S ist fünfmal in der Inschrift vorhanden. Zeigt eine gestreckte Form, ist dem allgemeinen Charakter der Schrift gegenüber in sämtlichen Fällen schwach eingeritzt, was die Folge der Umschwenkung des Schreibzeuges (Holzstäb­chen, oder Stylus) sein kann. T steht viermal im Text. Auf der senkrechten Hasta bildete die schreibende Hand zum Teil infolge des schwungvollen Abziehens, zum Teil dem An­schein nach — mit Absicht — unten eine kleine Sohle. V kommt fünfmal vor. Mit Ausnahme des V-Buchstaben der vierten Reihe, der durch den Ziegelstempel verdrückt worden ist, sind alle weite, offene For­men. Unsere auf die äußere formelle Veranschaulichung unserer Schrift bezüg­lichen Angaben und Eindrücke zusammenfassend kann festgestellt werden, daß wir aufgrund der typischen Merkmale die Entstehungszeit der Ziegelinschrift auf die letzten Jahre des 3. und auf die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts setzen können. Zur näheren Bestimmung des Zeitpunktes, in dem der Ziegel gefertigt wurde, ist uns auch der Stempel LEG I AD {Abb. 5) behilflich, den man — wie erwähnt — während der Herstellung der Inschrift auf den aus rohem Lehm geformten Ziegel gedrückt hat. — Dieser Truppenkörper stationierte in Brigetio, der heutigen Ortschaft Szőny, auf dem Fundort des hier beschriebenen Ziegels. Es ist zwar keine Vorschrift, daß die Ziegelei der Legion in ihrem Garnisonsort tätig sein 2 4 Ebd. 451—452. 2 5 Ebd. 453. 2 6 Ebd. 451—652. 2 7 Ebd. 453.

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