Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

92 L. BARKÓCZI Der Steinblock selbst dürfte schon wegen seiner Maße nicht zu irgendeinem Privat- oder öffentlichem Gebäude gehört haben. Im Zusammenhang mit dem an seiner rechten Seite befindlichen Bogen muß man an einen Torteil denken. Dieses große bearbeitete Stück, wie darauf G. Erdélyi bereits hingewiesen hatte, konnte nur der Teil eines Lagertors gewesen sein. 5 8 Wir konnten bereits früher feststellen, daß der letzte große Umbau des Lagers von Intercisa, als die fächerförmigen Ecktürme eingebaut, die porta decumana mit einem großen hufeisenförmigen Turm eingemauert, die porta prin­cipalis sinistra und dextra umgebaut wurden, zur Zeit des Konstantins erfolgt ist. Die Zeit des Umbaues hängt jedenfalls mit der Bautätigkeit Konstantins an der Donau zwischen 320-330 zusammen. 5 9 Der erörterte Steinblock dürfte der Teil eines Seitentores gewesen sein. Die traditionelle Grabsteinbearbeitung, wie es sich aus dem vorher Gesagten umzeichnet, wurde auch in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts fortgesetzt, jedoch kam es zum Ausgang des Jahrhunderts und zu Beginn des 4. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Stilwandlung. Wir können noch weitere zwei charakteristische Fragmente von Intercisa nicht unerwähnt lassen. Beide Stücke wurden zur Zeit der Jahrhundertwende gefertigt. Das eine ist das Fragment einer Soldaten gestalt, mit einer runden Schnalle, das andere bildet ebenfalls das Fragment einer Soldatenfigur, das von einem Relief abgesplittert wurde. 1 0 Auf diesem letzteren Fragment sind die runde Schnalle, die Riemenzunge und das unter der rechten Achselhöhle des Soldaten sichtbare, in einen Adlerskopf auslaufende Schwert charakteristisch, die in kon­kreter Weise auf die Zeiten der Jahrhundertwende verweisen. 0 1 Es gibt eine andere Gruppe der Steindenkmäler von Intercisa, die nicht den traditionellen Formen folgt und sich nicht in die eine oder andere der früheren Gruppen einfügen läßt. Ferner können auch solche Fälle beobachtet werden, wo man frühere Steindenkmäler umgemeißelt hat, jedoch bezog sich diese Ummeiße­lung nur auf das Bildfeld oder auf einen Teil dieses. In dieser gemischten Gruppe erwähnen wir an erster Stelle das hinten halb­rund gemeißelte kleine Grabdenkmal von Aurelia Nardanosa cives Armeniaca. 62 (Abb. 20) Das Frauenporträt ist abgeschlagen, von seiner Haatracht hat man schon früher festgestellt, daß sie auf spätere Zeiten verweist. Im Zusammenhang damit können wir auf die Haartracht der weiblichen Mitglieder des Kaiserhauses 5 8 Erdélyi, G., Intercisa I. 226. 5 9 Im Zusammenhang mit dem Limes- und Lagerbau zur konstantinischen Zeit bezüglich Intercisa: Barkóc^i, L., Intercisa II. AH 36. (Bp. 1957) 535. Seit dem im Jahre 1949 durchge­führten Ausgrabungen von Intercisa zeigte sich diese Periode auch noch an mehreren anderen Lagerstätten. 6 0 Erdélyi, G., Intercisa I. Nr. 222., Taf. LXXI, 4 und Nr. 220., Taf. LXXI, 5. 6 1 Járdányi-Vaulovics, I., Arch. Ért. 78(1951) llOff., Taf. XI, 1-2.; Erdélyi, G., Intercisa I. 223. Vorkommen des Schwertes mit dem Adlerkopf auf Paradepanzern: vgl. Keim , J.-Klnm­bach, H., Der römische Schatzfund von Straubing. (München 1951) Taf. XXVII.; Zu den mit Adlerkopf verzierten Schwertern der Tetrarchiezeit vgl. unter anderen: L'Orange, H. P., a. a. О. Abb. 32. 6 2 Erdélyi, G., Intercisa I. 185f. Nr. 38., Taf. XLVII, 2.

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