Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

78 L. BARKÓCZI Der Grabstein folgt nicht den traditionellen pannonischen Formen. Oben, im abgerundeten, halbkreisförmigen Bildfeld ist die Figur eines Mannes und einer Frau, beide mit abgeschlagenem Gesicht. Bei den Figuren fehlt die Plastizität und diese flächenartige Darstellung ist auch für die späteren Steinmetzarbeiten kenn­zeichend. Die Kleiderfalten sind nur mehr mit eingemeißelten Linien angedeutet. Charakteristisch für dieses Grabdenkmal ist der in das Bildfeld komponierte Opfertisch mit auswärts gewendeter Tischplatte, mehr eingemeißelt als plastisch bearbeitet worden ist. Diese in das Bildfeld komponierte partielle Opferszene kann in Intercisa auf dem Grabdenkmal der Aurelia Nardanosa und der an einer ande­ren, wahrscheinlich ebenfalls aus Intercisa stammenden umgemeißelten Stele be­obachtet werden, jedoch erscheint die Szene auch im Bereich von Brigetio auf einem Grabstein aus Császár (Abb. 4, 20, 29). Diese Komposition verbindet die drei Denkmäler miteinander, wenn auch nicht betreffs der Werkstätte, jedoch chronologisch unbedingt. Die dreizeilige Inschrift des Grabdenkmales läßt uns keinen Zweifel darüber, daß es bereits im 4. Jahrhundert gefertigt worden ist. Die Buchstaben F und L sind mit der Schreibweise des Aquincumer Francus (Abb. 8) und mehreren anderen späteren Inschriften identisch, der militärische Rang eines Biarchus und der Name Flavius 2 5 kann am frühesten mit der Zeit des Konstantinus in Verbindung gebracht werden. Das Grabdenkmal dürfte auf diese Weise kaum früher als das dritte Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts entstanden sein. 3. Von den Aquincumer Steindenkmälern ist das Grabdenkmal von Francus, das übrigens schon seit langem in der Fachliteratur bekannt ist, eines der augen­fälligsten Stücke der Steinmetzarbeiten des 4. Jahrhunderts (Abb. 8). 2 6 Auch die Form der Inschrift und der Buchstaben verrät den späten Zeitpunkt; eine solche Form der Buchstaben F, G und L kann auf dem Grabdenkmal der konstantinischen Zeit in Szentendre, jedoch auch auf den Bauinschriften und Stempelziegeln der valentinianischen Zeit angetroffen werden. 2 7 Beim Umdrehen des Steines ging hervor, daß sich auf dem unteren, schmäleren Teil eine Darstell­ung befindet, die bisher der Aufmerksamkeit der Forscher entgangen ist (Abb. 9). Diese Darstellung hilft uns bereits besser bei der Zeitbestimmung und auch bei der Feststellung der Verwendung des Steines. Auf dem schmalen Teil kann das mit einem schmalen Grat in zwei Teile geteilte konkave Feld beobachtet werden, an dessen beiden Enden ein in Halb­kreisform ausgebildeter Einsprung zu sehen ist. In der Mitte befindet sich in einem viereckigen, oben sich bogenförmig schließenden Rahmen das Brustbild eines mannes (Abb. 10), mit einer breiten Zwiebelkopffibel an der rechten Schulter. Auf der Umrahmung sind den entzweigeteilten Feldern entsprechend mit einge­tiefter Profilierung gleichfalls je zwei halbkreis förmige Ausbildungen zu beob­achten. 2 5 Vgl. ILS 2799, 2787, 2804, 2805. Vgl. zur Inschrift von Szentendre gerade im Zusam­menhang mit den Flaviern: Mócsy, A., DissArch 4(1962) 47-53. 2 6 CIL III 3576.; Alföldi, A., Budapest története. I. Budapest az ókorban (Die Geschichte von Budapest I. Budapest im Altertum). (Bp. 1942) 704. - Weitere Auslegungen hinsichtlich der Inschrift: ebd. 2 7 Mitteilung von S. Soproni, der so freundlich war mir die Ziegel zu zeigen, auf welchen solche Buchstaben vorkommen.

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