Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

72 L. BARKÓCZI Schon der Rang eines „ducennarius" in der Donaugegend weist auf eine späte Zeit hin 1 0 und ist vor der militärischen Reform der Kaiser Diokletian und Konstantin weder in der legio I adiutrix, noch anderswo bekannt. Die Buchstaben und die Schriftzeichen weisen ebenfalls auf eine späte Zeit hin, es sind die L-Buch­staben mit hochgezogenem unterem Schenkel charakteristisch, von denen eine bessere Variante in Brigetio zuerst zu Beginn des 4. Jahrhunderts erscheint 1 1 und sie sind auch noch an einer in Versform verfassten Inschrift aus der konstantin­ischen Zeit zu beobachten. 1 2 Neben diesen können auch die im Bildfeld des einen traditionellen Aufbau zeigenden Grabdenkmals sichtbaren Porträtdarstellungen nicht in die Stilpraxis der Steinmetzen des 3. Jahrhunderts eingefügt werden. Das Fehlen der Plastizität, die flächenhafte Darstellung der Gestalten, die viereckigen Nasen, die Betontheit der Augen sind charakteristische Zeichen für diese späte Zeit, jedoch zugleich unter anderen auch für die Figuren des Grabdenkmales des Aristius Fortunatus von Intercisa, wo an der Schulter des Mannes eine Zwiebel­kopffibel späteren Typs erkennbar ist (Abb. 17). Die Ausarbeitung der Kleidungs­stücke erinnert stark an die Darstellung der an dem Denkmal des Aur. Ianuarius sichtbaren Kleider (Abb. 1). Die Darstellung des kleinen Knaben schließt sich in seinen charakteristischen Zügen dem auf dem Grabdenkmal der Aelia Messo­rina sichtbaren Kinderporträt an (Abb. 2). Zur Darstellung des Pferdes und des das Pferd führenden Soldaten zwischen dem Bild und dem Inschriftenfeld können wir die Inschrift des Aur. Valens aus Intercisa und das Relief von Győr anführen (Abb. 25, 26). Charakteristisch sind noch die in den Akroterien angebrachten kleinen Rosetten, zu denen ungefähr ähnliche auch auf den bereits erwähnten Grabdenkmal des Aur. Valens erscheinen. Bei der Ausarbeitung der Gesichter sind die eckigen Nasen und die betonten Augen außer dem Grabdenkmal des Aristius Fortunatus auch auf dem im Museum zu Ljubljana aufbewahrten Poträt aus der Konstantinischen Zeit gut zu beobachten 1 3 (slbb. 18). Die späten Stilmerkmale und die Inschrift weisen darauf hin, daß das Grab­denkmal des Ursinus ducennarius schon aus der Zeit Konstantins stammt. Späte Merkmale sind auf dem anderen, aus Császár stammenden (Abb. 4) Grabdenkmal zu sehen. 1 4 Es wurde das Bildfeld eines früheren Grabdenkmales umgemeißelt, ein ähnlicher Fall ist in Intercisa sogar zweimal zu beobachten. Die Inschrift (Abb. 4) erwähnt den Namen des Aelius Carus tribunus, der in der legio XXX Ulpia Victrix dient und aus Germania Inferior stammt. 1 3 Die Struktur der Schrift bzw. Inschrift und die sonstigen epigraphischen Bedenken weisen auf das 2. Jahrhundert, am spätesten auf den Beginn des 3. Jahrhunderts hin. Die Rahm­ung des Bildfeldes ist von der allgemeinen Praxis abweichend schmäler als die des Inschriftenfeldes. Das Bildfeld wurde nachträglich erweitert, die Figuren sind 1 0 Befaßt sich mit dem ducennarius im Zusammenhang mit einem etwa zur Zeit des Kon­stantins umgemeißelten und überschriebenen Grabdenkmal ausführlich: Gabler, D-Pus^tai, R., Arrabona 7(1965) 121 ff. mit weiterem Schrifttum. 1 1 Auf der im Jahre 314 herausgegebenen bronzenen Gesetzestafel: Paulovics, I., La table privilèges de Brigetio. AH 20. (Bp. 2936) Taf. III. 1 2 CIL III 4346.; Barkóczi, L., Brigetio. F. 55. Taf. XVIII, 5. 1 3 Sasel, ]., Krónika. Casopis za Slovensko Krajevno Zgodovino 6(1958) No. 16. 1 4 CIL III 151188 2. Barkóczi, L., Brigetio. 36. F. 13., Taf. V, 2. 1 5 Ritterling, E., Legio. PWRE XII. (Stuttgart 1925) 1827.

Next

/
Thumbnails
Contents