Folia archeologica 24.
László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts
68 L. BARKÓCZI henden, barbarischen Bewegungen, feindlichen Einbrüchen und deren auf Pannonién ausgeübten schweren Druck charakterisierte. Auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts konnten wir nur jene — vor allem inschriftliche - Denkmäler einreihen, bei denen der Text klar und deutlich auf dieses Zeitalter verweist. Diese Stücke dürften mit Recht eher für zur bestimmten Gelegenheiten hergestellte Produkte, als für Erzeugnisse unausgesetzt produzierender Werkstätten angesehen werden. In den letzteren Jahren tauchte jedoch bei mehreren, gut ausgeführten gemeißelten Denkmälern der Zweifel auf, daß sie sich nicht an die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts, also an die Blütezeit der Stadt knüpfen lassen, sondern daß sie wahrscheinlich später, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gefertigt worden sind. Diese chronologische Frage besteht auch im Falle einiger Sarkophagen auf und es scheint wahrscheinlich zu sein, daß auch die Steinkiste von P. Ael. Mercator nicht in der ersten, sondern in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erzeugt worden ist. 2 Ein wesentliches Problem der Steinmetzarbeit von Brigetio ist, welche die jüngsten Stücke sind und durch welche Merkmale sich die kontinuierliche Steinmetzarbeit im Laufe der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts verfolgen lassen. Zur Frage der Steinbearbeitung in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts können wir den Grabstein des Reiters der legio I adiutrix, Aurelius Ianuarius ( Abb. 1 ) anführen, die in der Umgebung von Brigetio, in Császár zum Vorschein gekommen ist. 3 Die Entstehung des großen Grabdenkmales weist aufgrund der nach dem Namen der Legion stehenden ligierten Buchstaben SE — die zu dem Attribut Severiana ergänzt wurden - auf die Zeit des Alexander Severus. 4 Auf die Bezeichnung bzw. Abkürzung des Beinamens Severiana ist diese Buchstabenbindung ein ziemlich ungewöhnliches Verfahren und ihre Auflösung in der vorliegenden Inschrift scheint nicht eindeutig zu sein. Es kann beobachtet werden, daß nur der untere Teil des in das E ligierten S-Buchstabens deutlich ausnehmbar ist. Gleichzeitig ist der nächste Buchstabe, das T, dessen Hasta in unerklärlicher Weise schräg durchgestrichen ist und nach diesem steht statt Ulp. Ianuariae der Name Ulp. Anuriae, folglich stehen wir einer fehlerhaften Meißelung gegenüber. Auf der Inschrift kann zwischen den einzelnen Namen das Bindewort ET angetroffen werden und falls wir nun die Bindung SE für Severiana annehmen, ferner die übrigen fehlerhaften Meißelungen außer acht lassen, so fällt hier die Bindung ET weg und nach dem SE steht T. Ulp. Ianuaria. Zu bemerken ist, daß wir dem Namen T. Ulpius in Brigetio bislang noch nicht begegnet haben. 3 Vor dem neuen Namen denken wir auch hier vielmehr an das Bindewort ET, der in den Buchstaben E gehauene S-Teil ist eine fehlerhafte Einmeißelung, wie in der Inschrift auch noch andere Fehler enthalten sind. Die Inschrift beweist demnach nicht eindeutig, daß das Steindenkmal aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts stammt. 2 Ebd. 41., Taf. XX, 2. 3CIL III 15188 3. Schober , A., Die römischen Grabsteine von Noricum und Pannonién. (Wien 1923) 87. No. 188.; Barkóc Zi, L., Brigetio. 38. F. 28., Taf. X, 2. 4 Schober , A., loc. cit. 5 Mócsy , A., Die Bevölkerung von Pannonién bis zu den Markomannenkriegen. (Bp. 1959) 149.; Barkóc Zi, L., Acta Arch. Hung. 16(1964) 299.