Folia archeologica 24.
László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts
stf.inbearbeitl'nc. in pannonién 107 von Ursinus ducennarius zu dem dritten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts. Es ist sehr wahrscheinlich, daß in Aquincum diese Kontinuierlichkeit noch besser beobachtet werden könnte, jedoch hierzu müßten natürlicherweise die Stiländerungen der gemeißelten Denkmäler festgestellt und ausführlich studiert werden. Aus Aquincum teilen wir bloß ein einziges Grabdenkmal mit, jedoch zeigt auch dies, daß die Steinmetzwerkstätten noch zur Mitte des 4. Jahrhunderts bzw. in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts tätig waren. Viel kräftiger erscheint diese Kontinuierlichkeit in Intercisa und die Herstellung der Steindenkmäler kann auch auf mehreren Wegen bis zum Ende des 3. bzw. bis zum ersten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts verfolgt werden. Zweifelsohne erleidet die Arbeit der Steinmetzwerkstätten zur Mitte des 3. Jahrhunderts einen Bruch. Sie arbeiten jedoch, wenn auch nicht mit der früheren Intensität, bis zum Ende des Jahrhunderts weiter. Noch stärker fällt die Intensität des Steinmetzhandwerkes am Ausgang des Jahrhunderts zurück, die traditionelle Steinbearbeitung lebt, wenn auch sporadisch, weiter. Am Ende des Jahrhunderts und zu Beginn des 4. Jahrhunderts erscheinen an den traditionell aufgebauten Denkmälern solche Stilmerkmale, die auch in der Großkunst vorherrschend sind und uns zumindest bis zu den konstantinischen Zeiten führen. Solche sind die Haar- und Barttracht der Männer, bei den weiblichen Porträts die die Helena-Frisur nachahmende Haartracht, die betonte Ausarbeitung der Augen, die eckige Nase, die Bildung der Figuren, die Abweichung von der Plastizität, die Formung der Kleiderfalten sowie die Darstellung und das Vorhandensein der Zwiebelkopffibel von späterem Typ. Außer den vorher erwähnten hilft uns bei der chronologischen Bestimmung noch die Inschrift und der konstantinzeitliche Kopf aus Ljubljana. Eine sichere Basis dieser spätzeitigen Steinmetztätigkeit bilder der das Lagertor von Intercisa verzierende Stein, wo der Stil der Meißelung der Reiterfigur in jeder Hinsicht mit den erörterten Grabdenkmälern in Verbindung gebracht werden kann. Der große Umbau des Lagers von Intercisa erfolgte zur Zeit des Konstantins im dritten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts und auch die erwähnte Reiterdarstellung gehört dieser Phase an. Der größte Teil der spätesten Denkmäler kann mit dieser Bauperiode umgrenzt werden und die Herstellung der traditionell aufgebauten Grabdenkmäler schließt mit diesem Zeitalter oder nicht viel später nachher. Gleichzeitig gibt es auch eine solche Gruppe der Steindenkmäler, die bereits mit den traditionell aufgebauten Formen bricht. Solche sind: der Grabstein von Szentendre, die Francus-Tafel von Aquincum, das Grabdenkmal von Aurelia Nardanosa und Aur. Valens aus Intercisa, jedoch könne auch die früher hergestellten und später umgemeißelten Grabsteine hierhergereiht werden. Diese Grabdenkmäler können - wie bereits weiter oben angedeutet - nicht von früher, jedoch möglicherweise aus einer späteren Zeit als die des Konstantins, eventuell auch aus der zweiten Flälfte des 4. Jahrhunderts stammen. Im wesentlichen wurden Bauinschriften noch unter Valentinian aufgestellt, warum hätte man in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts keine figürlichen Steindenkmäler herstellen können. Auch das scheint nicht unmöglich zu sein, daß sowohl das Grabdenkmal von Francus oder das von Aur. Valens bis in die 70er Jahre des Jahrhunderts vorgeschoben werden können. Der mit Sicherheit auf das in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts vorhandene Steinmetzhandwerk verweisende, aus Győr stammende, jedoch in Sopron aufbewahrte Grabstein, zeigt im