Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

104 L. BARKÓCZI aus den ersten Jahrzehnten des 4. Jahrhunderts stammenden Stücken. Aber auch die schweren Kleiderfalten, die der Steinmetz meist nur mit gemeißelten Linien markiert hat, weisen darauf hin. An der rechten Schulter ist eine in der früheren Bearbeitung nicht erwähnte große, breite Zwiebelkopffibel späteren Typs sichtbar (Abb. 29). Die Büste des in das Bildfeld kontinuierlich komponierten Kindes mit zwei Gestalten an seiner Seite, steht als Komposition mit den auf den Grabdenk­mälern von Szentendre, Császár und dem der Aurelia Nardanosa sichtbaren Op­fer- bzw. teilweise dargestellten Opferszene in Verbindung. Diese Komposition verknüpft die erwähnten Stücke, wenn auch nicht der Werkstätte nach, so doch chronologisch miteinander. So müssen wir auch die Entstehung des erörterten umgemeißelten Denkmals von Intercisa um die Zeit des Konstantins in den 30er Jahren des 4. Jahrhunderts, vielleicht in etwas späteren Zeiten suchen. * Bereits in der Einleitung haben wir darauf hingewiesen, daß wir im Rahmen dieser kurzen Bearbeitung keine vollkommene Materialsammlung anstreben und dies auch nicht unternehmen konnten, da es keine Möglichkeit gab das komplette nordostpannonische Denkmalmaterial einer ausführlichen Analyse zu unter­ziehen. Um eine ausführliche Bearbeitung geben zu können, wäre es unbedingt nötig das ganze pannonische Material oder zumindest das Steindenkmalmaterial der großen Zentren - unter anderem von Aquincum - sich auf alle Stücke er­streckend von dem Gesichtspunkt, wieweit und in welcher Form die Steinmetz­traditionen in den einzelnen Gebieten aufrechterhalten geblieben sind, zu analy­sieren und zusammenzufassen. Die epigraphischen Daten geben in vielen Fällen keinen ausreichenden oder genaueren chronologischen Aufschluß, weshalb es sehr wichtig ist, den Komplex der Inschrift und des Steinmetzstils zu bestimmen. Es scheint wahrscheinlich zu sein, daß sich in einzelnen Gebieten Pannoniens die Steinmetztraditionen verschiedenartig bewahrt haben, jedoch zeigt das Limes­gebiet jedenfalls gegenüber den übrigen Teilen der Provinz eine Sonderstellung. Wir müssen nicht nur diejenigen Stücke für spätzeitige ansehen, deren Bemei­ßelung grob, unproportioniert ist, deren Buchstaben schlecht oder einfachere Stücke sind. Als Beispiel könnten wir den Sarkophag von Paloznak anführen, 77 der eine gut ausgeführte Arbeit zeigt, zugleich verweisen die Stilmerkmale des im mittleren Akroterion des Daches untergebrachten Männerporträts, ferner die Ziebelkopffibel bereits auf das Ende des 3. und den Beginn des 4. Jahrhhunderts. Mit den erörterten Grabdenkmälern und den architektonischen Zierelementen versuchten wir zu illustrieren, daß das auf traditionellen Grundlagen wirkende Steinmetzhandwerk nicht nur in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts besteht, sondern auch noch zu Beginn des 4. Jahrhunderts nachweisbar ist. Die Zahl der Steindenkmäler ist natürlicherweise geringer, als in der ersten Hälfte des 3. Jahr­hunderts, jedoch arbeiteten einzelne Werkstätten auch noch in der späteren Phase weiter. In Brigetio würde die Kontinuierlichkeit in der zweiten Hälfte des 3. Jahr­hunderts das Grabdenkmal von Aurelius Ianuarius und Aelia Messorina bedeuten und diese zwei Grabdenkmäler führen uns im Zusammenhang mit dem Grabstein •>' Paldgyi, S., VMMK 11(1972) 109-114.

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