Folia archeologica 24.

László Barkóczi: Beiträge zur Steinbearbeitung in Pannonien am Ende des 3. und zu Beginn des 4. Jahrhunderts

100 L. BARKÓCZI dem Grabdenkmal aus Győr zusammen muß es älter als die Zeit des Konstantins sein oder vielleicht sogar die Zeit des konstantinischen Hauses übertreffen und so wurde es vermutlich in einer späteren Phase des 4. Jahrhunderts hergestellt. 7 2 Im 4. Jahrhundert ist öfters wahrzunehmen, daß man ältere Grabdenkmäler, gemeißelte Steine ummeißelt und neu verwendet. Im Rahmen der vorliegenden Bearbeitung war die aus Császár stammende eine Grabtafel, die in den Zeiten um Konstantin sekundär verwendet wurde, ein derart umgemeißeltes Grabdenkmal. Aus Intercisa sind uns zwei solche Stücke bekannt. Das eine Stück ist ein fragmentierter Grabstein, das erhalten gebliebene Bild­feld war grob, in Dreieckform ausgebildet 7 3 (Abb. 27). Diese Form wurde ver­mutlich mit Vorhaben derart ausgebildet, nachdem man wahrscheinlich nur ein Porträt benötigte. So blieb zwischen den beiden Erwachsenen das früher bereits ausgemeißelte Kinderporträt, das dann später umgemeißelt wurde, erhalten. Den linksseitigen, fehlenden Teil des Grabsteines, auf welchem das Porträt einer ein­geborenen Frau ohne jede Spur irgendeiner Ummeißelung zu sehen ist - konnte G. Erdélyi identifizieren. 7 4 Die rechte Seite fehlt, die erhalten gebliebene Dar­stellung zeigt klar, daß der Mann ein Soldat war. Von diesem früheren im Flach­relief ausgebildeten Bildfeld unterscheidet sich das umgemeißelte Porträt des Kindes wesentlich. Das kurze, nach vorn gekämmte Haar, die betonten Augen und die eckige Nase weisen jedenfalls darauf hin, daß die Ummeißelung nicht früher als aus der Konstantinischen Zeit stammen kann. Eine solche, teilweise erfolgte Ummeißelung kann auf dem Grabstein von Mosonszentjános beobachtet werden, der ebenfalls nicht später als aus der kon­stantinischen Zeit stammt. 7 5 Eine Ummeißelung läßt sich auf einem anderen aus Intercisa oder Aquincum stammenden Grabdenkmal beobachten 7 0 ( Abb. 28,29). Die auf der Ummeißelung beobachteten Stilmerkmale weisen auf die Umgebung von Intercisa. Das ziemlich große Grabdenkmal wurde noch in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts herge­stellt, jedoch seine Inschrift im 4. Jahrhundert entfernt, und sekundär verwendet, das Bildfeld umgemeißelt. Das ursprünglich an zwei Seiten mit korinthischen Säulen, oben mit einem Rankenfries begrenzte Bildfeld hat der Steinmetz noch mehr eingetieft und um der großen Figur einen Platz zu sichern, das Bildfeld oben in Halbkreisform vergrößert. So wurde der obige Rankenfries bis zum Rand des Giebels entfernt. Das kurze Haar, das betonte Auge und die eckige Nase der Männergestalt veranschaulicht gut die Verbindung zu den bereits erörterten und 7 2 Zu neuerer Auswertung der Inschrift des Grabsteins von Aur. Valens vgl. Hoffmann, D., Das spätrömische Bewegungsheer und die Notitia Dignitatum. I. (Düsseldorf 1969) 250. 7 3 Erdélyi, G., Intercisa I. 183. 7 4 Ebd. 7 5 Gabler, D.-Pusztai, R., Arrabona 7 (1965) 114—126. Das an dem Giebel in die kleine Nische eingetiefte Brustbild ist, wenn auch mit beschädigtem Gesicht, keine vom Ende des 1. oder vom Anfang des 2. Jahrhunderts stammende Ummeißelung. Die Ausführung des Porträts, ferner das Haar und die Bekleidung weisen darauf hin, daß das Bild mit der neuen Inschrift gleichaltrig ist bzw. dazu gehört, also aus den ersten Jahrzehnten des 4. Jahrhunderts stammt. 7 6 Romer, F .-Desjardins, E., Inscriptiones monumentorum romanorum eiusdem Musei Nationalis in Budapest. (Bp. 1873) 127., Taf. XXXVI, 226.

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