Folia archeologica 23.
Endre Tóth: Figürlich verzierte Loculus-Platte aus Savaria
6 4 Е. TÓTH An die Darstellung eines Kriegers kann nicht gedacht werden, da es an diesen gemeißelten oder geritzten Grabplatten keine Kriegerdarstellungen vorkommen, andrerseits das Schwert und der Schild auf dem Fragment von Savaria fehlen. Nach den Studien von Th. Klauser, in welchen er die Ausbildung der altchristlichen Kunst und innerhalb dieser die der Darstellungen der Schafträger und der Oranten erörtert, 1 6 kann als bewiesen betrachtet werden, daß von dem Großteil der diese Typen darstellenden Schöpfungen nicht entschieden werden kann, ob sie heidnischen oder christlichen Charakters sind bzw. ein Teil ihrer kann mit Bestimmtheit für eine heidnische Darstellung gehalten werden. Da die schaftragende Form in der heidnischen Kunst die Tugend der Menschenfreundschaft symbolisiert, 1 7 kann auf den Sarkophagen des 3-4. Jahrhunderts der Schafträger aufgrund der Parabeln des Evangeliums nur in dem Falle zweifelsohne mit Jesus identifiziert werden, falls dieser mit anderen biblischen Szenen gemeinsam vorkommt. 1 8 Die Darstellung ist in diesem Falle christlichen Charakters. Auf den Schafträgerdarstellungen der sepulkraler Kunst christlichen Charakters erscheint Jesus in der Form des Guten Hirten als Psychopompos, der die Seele des Verstorbenen ins Jenseits hinüberträgt und gegen die Angriffe der Dämonen und der üblen Mächte des Jenseits schützt. 1 9 Diese Funktion von Jesus bildete sich im 4. Jahrhundert auf gnostische Einwirkung aus, jedoch verschwindet sie nach dem Ende des Jahrhunderts allmählich; ihre Stelle übernehmen die Engel, vor allem der Erzengel Michael. 2 0 Klauser behandelt die mit gemeißelten, schaftragenden Figuren verzierten Grabplatten in einem eigenen Abschnitt, jedoch erwähnt er bloß vier von ihnen, deren christlichen Charakter er akzeptiert. 2 1 Er hält jedoch die in Rom in großer Anzahl zum Vorschein gekommenen und mit der Gestalt eines Schafträgers versehenen Grabplatten, auf welchen die Inschrift oder andere für bestimmt als christlich betrachtbare Darstellungen fehlen, für unbestimmbar. Die Frage, wie lange die Schafträgerdarstellungen heidnischen Charakters im 4. Jahrhundert anhalten bzw. ob der christlichen Kunst es gelungen ist diese Darstellungsweise völlig zu enteignen, bleibt offen. Also es fragt sich, ob die z. B. aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts stammende schaftragende Gestalt von übrigens unentscheidbarem Charakter als ein christlicher Charakter zu betrachten sei oder nicht. Aufgrund all dieser können wir den christlichen Charakter unserer Grabplatte aufgrund des Fragments nicht bestimmen. Es ist uns unbekannt, ob sich im Text eine ausgesprochen christliche Formel befunden hat oder ob andere christliche Darstellungen, Symbole vorhanden gewesen sind. Da zur Bestimmung des Charakters des Stückes auch außerhalb der Ikonographie und der Symbole stehende Daten angewendet werden können, komme ich auf die Bestimmung des Charakters noch zurück. w Klauser , Th., Studien zur Entstehungsgeschichte der christlichen Kunst. JbAC 1 (1958) -10(1967). 1? Ebd., 1(1958) 24-51.; 5(1962) 118. is Ebd., 10(1967) 118. 1 9 Ebd., in.- 119.20 Ebd., 108.; 8-9(1965-66) 11421 Ebd., 10(1967) in.-