Folia archeologica 23.

Endre Tóth: Figürlich verzierte Loculus-Platte aus Savaria

62 E. TÓTH Worte gehört hätten ; hingegen gibt es keine Interpunktion. Jedoch fehlen auch tei den übrigen, aus dem 4. Jahrhundert stammenden Inschriften von Savaria oft die Interpunktion bzw. wurde sie unregelmäßig gesetzt. 6 Dies ist bei den In­schriften aus dem 4. Jahrhundert eine allgemeine Ershcheinung. Die Ergänzungs­möglichkeiten sind: . . .]nus Ulp[ius oder-ianus]. Da die Endung ...]nus in dieser Hinsicht nur als Nomen oder Cognomen interpretiert werden kann, ist bei einer solchen Gliederung die Ergänzung auf Ulpianus wahrscheinlicher. Es kön­nen noch, falls wir die Interpunktion zwischen N und V bzw. V und S setzen, zwei andere Möglichkeiten in Betracht kommen: . . . vixit ann(os)~\ n(umero) V Sulp\icius ­a , icianus ­a] 7; oder . . . vixit an] n(os) V Sulp [icius -a, iciamts ­a ]. Die Namen Ulpius, Ulpianus 8 bzw. Sulpicius, Sulpicianus 9 (und ihre weiblichen Formen) kommen in Pannonién äußerst selten vor (im Falle von Ulpius erst von der Mitte des 3. Jahrhunderts an). Ob das Namenfragment - sollte es auch wie immer ergänzt werden - den Errichter der Inschrift oder die Person bzw. die Per­sonen bezeichnet, denen man die Grabplatte stellte, konnte nicht entschieden werden. Über der Inschrift ist das Fragment einer mit gemeißelter Technik erzeugten figürlichen Darstellung zu sehen : von der Mitte des Oberschenkels abwärts, der linke Fuß einer leicht gespreizt stehenden oder nach links austretenden Menschen­figur. Der Unterschenkel ist vom Knie an eingewickelt; am Fuß befindet sich ein Riemenschuh. Die Gestalt trägt eine kurze Tunika oder ein tunikaartiges Unter­kleid, das oberhalb der Knien endet. Über die Tunika gezogen trägt sie ein mantelartiges Oberkleid, das den Körper vorne unbedeckt läßt und bis zur Mitte des Unterschenkels reicht. An der linken Seite des Körpers fällt es in Falten herab, was auf der Darstellung durch einen dreieckförmigen Einschnitt angezeigt wird. Die Gestalt stellte man mit charakteristischer Technik her: sie wurde in die bereits glatt bearbeitete Marmorplatte mit dem Meißel eingetieft. Die Technik hat der Darstellung, im Gegensatz zu den einfachen eingeritzten Darstellungen, auch eine kleine Plastizität gesichert. Die Hingehörigkeit des Fragments liegt zweifellos fest: es gehört zu dem Kreis der in der spätantiken bzw. altchristlichen sepulkralen Kunst häufigen, mit Einritzung oder in seltenen Fällen mit Einmeißelung verzierten Loculus-Platten 6 z.B. CIL III 4186, 4217, 4218, 4220, 4222. 7 Die Aussetzung der Abkürzung n(umero) bei dem Lebensalter ist auch an einer anderen altchristlichen Inschrift von Savaria anzutreffen: CIL III 4217 = ILCV 1376.; Es kommt ein einzigesmal in Syrmien vor: CIL III 10232, öfters in Dalmatien, insbesondere jedoch in der Umgebung von Salona: CIL III 9500, 10096, 12939, 12947 sowie in Rom: ILCV 129, 161, 438, 4018 und Zilliacus, H., Sylloge inscriptionum christianarum veterum Musei Vaticani. Acta Inst. Romani Finlandiae 1:2. (Helsinki 1963) Nr. 59, 95, m, 149. 8 In Pannonién ist das Cognomen Ulpianus oder der Gebrauch Ulpius als Cognomen sehr selten, vgl. Barkóc%i, L ., Acta Arch. Hung. 16 (1964) 326. 9 In Pannonién kommt das Cognomen Sulpicianus überhaupt nicht vor, das Nomen Sul­picius in zwei Fällen, jedoch handelt es sich vermutlich von ein und derselben Person. Vgl. Barkóczj, L., a.a.O. 303, 337 (lediglich das Namenmaterial nach den Markomannenkriegen betrachtet).

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