Folia archeologica 23.

Ilona L. Kovrig: Hunnischer Kessel aus der Umgebung von Várpalota

11 8 I. L. KOVRIG fischen Tiefebene in Zusammenhang gebracht werden. 0" Der Kessel kann inner­halb jener 28-30 Jahre vor 454 datiert werden, wie der Fund von Szeged-Nagy­széksós. Auch der Kessel von Bennisch dürfte nicht vor der hunnischen Besetzung des Alföld nach Mähren gelangt sein. 6 1 Die drei anderen ungarischen Kessel haben pannonische Fundorte: Intercisa und Kapos-völgy in Valeria, Umgebung von Várpalota im östlichen Grenzgebiet von Pannónia prima. Bei der Datierung und der Deutung ihres Auftauches in diesem Gebiet stößt man auf Schwierigkeiten, da die Frage noch nicht eindeutig gelöst ist, wann die pannonischen Provinzen unter hunnische Herrschaft gelang­ten. 6 2 Im Zusammenhang mit den pannonischen Kesseln kann auch die Frage ge­stellt werden, ob diese nicht mit den hunnischen Volkselementen der ostgotisch­alanisch-hunnischen foederati (die Volksgruppen von Alatheus und Saphrac), die aufgrund des mit Gratian im )ahre 379 geschlossenen Vertrages in Pannonién ein Gebiet zur Niederlassung erhalten haben, in Verbindung gebracht werden können. Zur Lokalisierung des Siedlungsgebietes dieser hunnischen foederati in Pan­nónia II bzw. in Savia wurden in letzter Zeit Versuche unternommen. 6 3 Man konnte jedoch dieser bislang in der Zeitspanne der ihnen dort zugeschriebenen 50 Jahre keine archäologische Spuren nachweisen; zur Zeit sind von diesen Gebieten Kesselfunde unbekannt. In Rumänien und Ungarn, wo die Richtung des Vor­6 0 Im Jahre 412 sucht Olympiodoros einen hunnischen „König" auf seinem Sitz nördlich des Schwarzen Meeres auf: Thompson, Б. A., A History of Attila und the Huns. (Oxford 1945) 34., 223. ; Aetius kommt 432 über Dalmatien und Pannonién in das an dem linken Ufer der Do­nau gelegene Gebiet des Rua : der Hauptsitz ist demnach zu dieser Zeit bereits nach Westen vor­geschoben: ebd. 64.; Über die Versetzung des Machtzentrums des Hunnen in die Große Un­garische Tiefebene: Harmatla, J., Acta Arch. Hung. 1(1951) 135 f.; Ders., Préface in Fettich: Szeged-Nagyszéksós. 107.; Oers., Probleme. . . 23off. ei /. Harmatta bringt die Ausbreitung der Macht der Hunnen nördlich der Karpaten nach der Besetzung des Alföld mit ihren um 430 geführten Kriegen im Rheinland in Zusammenhang: Acta Arch. Hung. 1951. 135 f.; E. Schaffran vermutet das Vordringen zu dem Feldzug nach Gallien im Jahre 451 weit nördlich von der Donau, einerseits weil Noricum Ripense damals noch über starke militärische Kräfte verfügt hat, andrerseits aufgrund einiger nördlich von den Kar­paten zum Vorschein gekommenen Funde, die mit den Hunnen verbunden werden können : in Altheim , F., Geschichte der Hunnen. V. (Berlin 1962) 267., Anm 6.; ferner Bona, /., AnTan 16(1969) 282., Anm. 106. 6 2 Über die Aufgab von Pannonién, mit einschlägigem Schrifttum s. Mócsy, A., Pannónia. PWRE Suppl. IX. (Stuttgart 1962) 277-582.; Ders., Acta Arch. Hung. 23(1971) 347fr. 6 3 Mit der Frage dieser Volksgruppen befaßte sich eingehend historische Gesichtspunkte berücksichtigend Várady, L., Das letzte Jahrhundert Pannoniens 376-476. (Bp.-Amsterdam 1969) 36 ff., 260 ff., 279 ff., 300 ff. Die Siedlungsgebiete der gotisch-alanischen Foederati des Jahres 379 lokalisiert er in Pannónia II bzw. in Savia, wo demzufolge die hunnischen Foederati bis 427, bis zur Auflösung ihrer Siedlungen im Gebiete von Pannónia II geblieben sind. Das nach dem Vertrag von 433 an die Hunnen von Rua und Attila übergegebene pannonische Gebiet ist nach ihm das früher aufgelöste Stammesgebiet der hunnischen Foederati, - d. h. Pannónia II. In diesem Falle wäre das Gebiet 70 Jahre lang von einer hunnischen Bevölkerung besetzt gewesen, was archäologisch nicht bestätigt werden kann. Angesichts dessen, daß Syrmium 427 dem Oströ­mischen Reich überlassen wurde, stößt diese Annahme auch historisch auf Schwierigkeiten. Ihre Kritik s. Mócsy, A., Acta Arch. Hung. 1971. 347fr.

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