Folia archeologica 23.
Ilona L. Kovrig: Hunnischer Kessel aus der Umgebung von Várpalota
114 I. L. KoVRIG Es scheint nicht begründet zu sein, daß die reich verzierten Kessel als Kochgeschirr gebraucht wurden ; hierfür sind einfacher herstellbare Bronzegefäße und Kessel geeigneter gewesen. 5 3 Im Zusammenhang mit den südsibirischen Miniaturkesseln mit prachtvollen Griffen taucht gar nicht der Gedanke auf, daß sie Nachahmungen von Kochkesseln wären. Der Kessel von Schestatschi war in Bo cmTiefe vergraben, darin befand sich noch ein kleinerer Kupferblechkessel, beide hatten Feuerspuren am Boden. 5 4 Die Kesselgriffe von Bosneagu waren in einer Tiefe von 150 cm vergraben. Es hätte wohl keinen Sinn gehabt, den abgebrochenen Griff eines gewöhnlichen Kochgeschirrs, d.h. einen Metallabfall von so geringer Menge als Rohmaterial so tief zu verbergen. Auch dies mag daraufhinweisen, daß die Verzierung der Griffe einen Sinngehalt gehabt hat, was mit der ursprünglichen Funktion des Kessels in Zusammenhang gestanden haben dürfte. Aus den Felszeichnungen von Kizil-Kaia kann man, wie Aspelin bemerkt, auf 70-90 cm hohe Kessel schließen, 5 5 was etwa der Höhe des Kessels von Törtei entspricht. Die Felszeichnungen von Bojary werden auch als Darstellungen von Kulthandlungen bestimmt. 5 0 Aufgrund des Gesagten erblicken wir in den sorgfältig verzierten hunnischen Kesseln mit halbscheibenförmigen Ansätzen Kultkessel. Nach der Spektralanalyse ist anzunehmen, daß die Kessel von Kaposvölgy und aus der Umgebung von Várpalota in derselben Werkstätte hergestellt wurden. Der Kessel von Törtei ist mit diesen nach der Legierung nahe verwandt. Wenn man die Zusammenstellung des Materials dieser ungarischen Kessel mit dem Material der Kesselfragmente von Bosneagu und Celei-Sucidava 5 7 vergleicht, so stimmen die Legierungen der rumänischen und der ungarischen Kessel nicht vollkommen überein. Als Hauptunderschied kann bei den ersteren das Fehlen von Antimon und das Vorhandensein einiger Komponenten, die hingegen bei den letzteren fehlen, beobachtet werden. Dies zeigt, daß sie nicht vom gleichen Ort stammen und aus einem anders legierten Metall hergestellt worden. Leider ist die Anzahl der untersuchten Kessel gering, um den Versuch zu unternehmen, betreffs ihres Herstellungsortes Schlüss zu ziehen. das neulich in Bátaszék zum Vorschein gekommene, geplünderte Grab, das mit diesen beiden letzterwähnten Funden eine nahe Verwandschaft zeigt, enthielt ebenfalls eine Skelettbestattung (unveröffentlicht); J. Harmatta erwägt im Zusammenhang mit dem Fund von Szeged-Nagyszéksós die Möglichkeit eines Schcitcrhaufenfundes: Problème de la détermination et de l'appréciation historique du materiel archéologique hunnique. Programm und Vorträge der Arch. Konferenz d. Ung. Akad. d. Wiss. (Bp. 1955) 226 ff.; vgl. ferner: Sase^kaja, I. P., Osobennosti pogrebalnogo obrjada gunnskoj epochi na territorii stepei Nishnego Powolshja i sewernogo Pritschernomorja. Arch. Sbornik 15(1971) 61-72.; Peschanow, W. F.-Telegin , D. Ja., Shertwennoe mesto alano-gunnskogo wremeni w urotschischtsche Makartet. Arch. Otkritija 1967 g. (Moskwa 1968) 229-232. in diesem Funde befanden sich auch Kessel, die Beigaben waren angebrannt, Menschenknochen wurden keine gefunden. Es wird angenommen, daß sie Opfergaben sind, und die dazugehörenden Gräber in der Nähe zu suchen seien. 5 3 Dies bsweisen u. a. auch die vielen unverzierten sarmatischen Kessel. Die Kessel aus Gräbern von Tuwa mit Tierknochen aus der Zeit des uigurischen Kaganats enthalten Überreste eines Totenschmauses: Kyslasow, L. R., Istorija Tuwv w srednie weka. (Moskwa 1969) 66 f., Taf. 11:6, 10. 5 4 Niitlelman, T. A., a.a.O. 306., Abb. 2. 5 5 Appelgren-Kivalo, H., a.a.O. 41-42. se Deblet, M. A., a.a.O. 140. 57 Mitrea, В., a.a.O. 553., Anm. 18., 556-558 (Prof. E. Stoicovici).