Folia archeologica 21.
András Mócsy: Decurio Eraviscus
DECURIO ERAVISCUS Der hier zu behandelnde Grabstein gelangte 1967 ins Ungarische Nationalmuseum 1 aus dem südlich von Budapest liegenden Dorf Diósd, wo er in einer Sandgrube zum Vorschein kam. S. Soproni, dem ich die Überlassung der Publikation zu verdanken habe, stellte am 16. Dez. 1966 an Ort und Stelle fest, daß der Stein als Deckplatte eines spätrömischen Skelettgrabes sekundär verwendet wurde. In der Sandgrube fanden sich Reste eines Gräberfeldes mit Steinplattengräbern. Das Grab, dessen Deckel unser Grabstein war,warN-S orientiert, konnte aber nicht mehr sach- und fachgemäß freigelegt werden. 2 Die 141 cm hohe, 76 cm breite und durchschnittlich 20 cm dicke viereckige Kalksteinplatte (Abb. 1) ist in zwei seicht vertiefte Felder geteilt. Im oberen ist ein aus roh gearbeiteten, eigentlich nur angedeuteten Blättern bestehender Kranz dargestellt. Rechts und links oben und in der Mitte des Kranzes befindet sich je eine achtblättige Rosette in ziemlich guter Ausführung. Das etwas breitere untere Feld ist mit einer eingekratzten Linie gerahmt. Im Stein war ein von links nach rechts herablaufende Riß bereits vor der Einmeißelung der Inschrift vorhanden, weshalb der Steinmetz die Zeilenanfänge in der 4. und 5. Zeile ein wenig nach rechts verschieben mußte. In seinem heutigen Zustand ist der Stein oben horizontal abgeschlossen, die noch anzuführenden Analogien haben jedoch ohne Ausnahme einen dreieckigen Giebel (Tympanon) als Bekrönung. Wir nehmen daher an, daß unser Stein oben gebrochen ist, obwohl die Bruchfläche nicht frisch ist. Der Giebel durfte bereits vor der zweiten Verwendung abgebrochen sein. 3 Die gut lesbare Inschrift hat ziemlich unbeholfene, mitunter an die kursive Form erinnernde Buchstaben (z. B. das R). Die Datierung des Grabsteines ergibt sich mit einer ziemlichen Genauigkeit aus den folgenden Parallelen: Grabstelen mit Kranz im Hauptbildfeld sind in der Umgebung von Aquincum sehr häufig. Ihre Mehrzahl wird von einer geschlossenen Gruppe von wohl für Kollegien serienweise hergestellten Stelen gebildet. 4 Auf diesen Stelen wird der Kranz beiderseits von Säulen oder Pilastern flankiert. Von dieser gut umgrenzbaren hadrianischen und nachhadrianischen Gruppe hebt sich eine frühere Gruppe klar ab, deren Bildfeld mit Kranz einfach gerahmt ist. Die datierbaren Stücke 1 Inv.-Nr. 67. 41. I. 2 Ausführlicher Bericht von S. Soproni im Archäologischen Archiv des Ung. Nat.-Mus. 3 Ähnliche Brüche längst einer kompositionellen Scheidelinie z. B. bei Sz- Burger, A., BpR 19 (1959) 14., Abb. 7. und 17., Abb. 14. Daß der Grabstein auf Abb. 7. nicht nur aus einem gerahmten Inschriftfeld bestand oder der Grabstein auf Abb. 14. nicht horizontal mit einem profilierten Gebälk agbeschlossen war, geht nur daraus hervor, daß beide Steine zu einer typologisch geschlossenen Gruppe von Serienerzeugnissen gehören. 4 Ebenda. ; Dies., FA 17 (1965) 103.