Folia archeologica 20.

Sándor Soproni: Über den Münzumlauf in Pannonién zu Ende des 4. Jahrhunderts

7° S. SOPRONI Dies bedeutet, daß diese Münzen zur Zeit ihrer Verbergung angenommene, gül­tige Zahlungsmittel waren. Die am Ende des 4. Jahrhunderts herrschenden Zu­stände in Betracht gezogen, scheint auch diese Annahme handgreiflich zu sein, da es ja von den größtenteils barbarischen oder nur oberflächlich romanisierten Be­wohnern der Provinz lediglich sehr wenige gegeben haben dürften, die schreiben und lesen, also die Aufschrifte der Münzen verstehen konnten. Die ziemlich sche­matischen Porträts und Rückbilddarstellungen der Münzen des 4. Jahrhunderts machten es den durchschnittlichen Menschen fast unmöglich, die Münzen genau zu erkennen. So konnte bei der Bestimmung der Gültigkeit oder Ungültigkeit der Münze im wesentlichen nur die Form und das Material der Münze in Betracht kommen. Unseren Gedankengang weitergeführt: ausschließlich nur diese Kriterien konnten ausschlaggebend sein, da im entgegengesetzten Falle, besonders die Analphabeten - die den Großteil der Bevölkerung bildeten - ständigen Miß­bräuchen ausgesetzt gewesen wären. Wie sehr nur die Form und das Material der ausschlaggebende Gesischtspunkt gewesen sein konnte, zeigt die Tatsache, daß von dem Material der früheren Prägungen bis zur Zeit Valentinians fast ausschließ­lich nur die seit 346 in Gebrauch stehenden Centenionales 3 1 im Umlauf geblieben sind bzw. daß in den Münzschatzfunden vom Ende des 4. Jahrhunderts im allge­meinen diese Typen mit den Centenionales der gleichen Zeit zusammen vorzu­finden sind. 5 2 Wir können als Tatsache feststellen, daß zur Zeit Valentinians die früher emittierten Centenionales ebenso gültige Zahlungsmittel waren, wie die neuge­prägten und in Umlauf gebrachten Prägungen. Wir sind der Meinung, daß wir richtig vorgehen, wenn wir die Lösung des Widerspruches zwischen dem Aufhö­ren der regelmäßigen Münzversorgung nach 375 und der Räumungszeit der Pro­vinz, also die Antwort auf die Frage, weshalb die regelmäßige Zuströmung der neuen Münzen mehr als 30 Jahre vor der Räumung der Provinz im Gebiete Va­leria aufhört, auf demselben Wege suchen. Bei der Bekanntgabe des Münzumlaufes in derValentinianischen Zeit wiesen wir daraufhin, daß zur Zeit des Limesbaues das Geld in viel größerer Menge nach Pannonién gelangt ist als sonst. In der Zeitspanne nach dem Tode von Valentinian ist uns in der pannonischen Geschichte kein solches Geschehnis bekannt, das den Umlauf einer größeren Menge neuer Münzen begründet hätte. Das dem Militär obliegende Donativum und Stipendium gelangt immer seltener in Bargeld zur Auszahlung und gerade zu dieser Zeit hört die Zahlung in Münzform fast völlig auf. Anstatt dieser werden die Zahlungen in Naturalien allgemein. 5 3 Die in stets engere Rahmen gepresste Geldwirtschaft (Sold in Naturalien, Produktensteuer usw.) beanspruchte auch kein neues Geld, da sich ja zur Abwickelung der Geld­geschäfte von immer kleiner werdendem Umfang die zwischen 364-375 in Um­lauf gekommene Menge als genügend erwiesen hat. Diese Münzen der Valentinia­nischen Zeit waren auf Grund der oben gesagten, auch in den Zeiten nach dem Tode Valentinians vollwertige Zahlungsmittel. Dies beweisen auch die Schatz­6 1 Bezüglich der Centenionales R. Alföldi, AI., а. а. O. 102.­5 2 Einzelne AE 2, später auch AE 4 kommen gleichfalls in den Münzfunden zum Vor­schein. 5 3 R. Alföldi, Ai., а. а. О. Nr. 99 (mit ausführlichem Schrifttum). Vgl. noch Vdradj L., а. а. O. 85.

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