Folia archeologica 20.

Edith B. Thomas: Römischer Legionarsdolch von Dunaföldvár

RÖMISCHER LEGIONARSDOLCH 4J zu, schließlich sichern die stilisierten Ädikula dem Inhaber des Dolches den Schutz sämtlicher Kriegsgötter des Lagerheiligtums. Dies ist also eine kristallreine rö­mische militärisch-kaiserliche Symbolik, die unsere Dolche eindeutig unmißver­ständlich verziert und unsere Annahme, daß diese die hierfür würdigen Offiziere als Auszeichnung nach einem siegreichen Feldzug oder Kampf erhalten haben, unterstützt. Es bleibt noch die Frage übrig, wo die Zentralwerkstätte gelegen ist, wo unsere tauschiert-emaillierten polychromen Dolchscheiden erzeugt worden sind. Exner leitet, ohne daß er unsere Gruppe von den Mainzer Dolchen abgeson­dert hätte - auf Grund der hohen Anzahl ihres Vorkommens - alle aus der Main­zer Werkstätte her bzw. bezeichnet einheitlich als ihren Herstellungsort die west­lichen Provinzen. 4 3 Diese Theorie ist heutzutage bereits unhaltbar, schon Ulbert sondert die Vindonissa-Gruppe 4 4 von der Mainzer Werkstätte Exners ab. Er läßt zwar zu, daß in Mainz Dolche und Dolchscheiden hergestellt worden sind, doch konnten diese seiner Meinung nach auch in einem beliebigen anderen Legi­onslager erzeugt worden sein. H. von Petrikovits schreibt in seiner Arbeit, 4 5 wobei er nach der Herkunft unseres Dolches forscht, folgendes: „Die Herkunft dieser Waffe ist trotz ihrer bezeichnenden Form noch strittig. Vielleicht geht sie letztlich auf eine griechische Schwertform zurück und drang über die etruskische Bewaffung in die römische ein." In dem neuesten Waffenschrifttum ist bei der Erforschung der Herkunft dieser Dolche ihre Herstammung aus Hispanien, — da man in der Anwendung der Form und der färbigen Verzierungsart das Weiterleben der späteisenzeitlichen iberischen Traditionen vermutet, - ein ständig zurükkehrendes Motiv. J. Ypey berichtet, über die holländischen Dolche, 4 0 die mit dem Dolchtyp bzw. mit den Variationen des den Gegenstand unserer Bearbeitung bildenden Dolchtyps eine enge Verwandtschaft zeigen. - Auf der in seiner Arbeit mitge­teilten Karte verzeichnet er die Fundorte der ihm bekannten Dolche solchen Typs von Britannien bis Italien und bemerkt damit im Zusammenhang folgendes : „Bis jetzt weisen die Fundorte überhaupt nicht nach Spanien, obwohl Dolchform und das Dekorationsprinzip von dort her stammen sollen." Diese Feststellung schließt ihrem Wesen nach die iberische Herkunft bzw. den dortigen Herstellungsort unserer polychrom verzierten Dolche nicht unbe­dingt aus. Durch Verlegung der römischen Streitkräfte konnten die Dolche überall hingelangen. Unlängst leitet G. Ulbert der Fachexperte der römischen Waffen die Her­kunft unseres vorgeführten Dolchtyps folgenderweise ab: „Die eigentümliche Gestalt des Griffes und seine äußerst komplizierte Konstruktion, ferner die charakteristische Klinge, schließlich die Dolchscheide mit dem scheibenförmigen Ortband lassen über die Herkunft der Waffe kaum einen Zweifel: Sie dürfte wohl unter dem Einfluß iberischer Dolche der jüngeren Eisenzeit ausgebildet 1 3 Exner, К., а. а. O. 28. 4 4 Ulbert, G., Vindonissa ... ij. 4 5 Petrikovits, v. H., Die römischen Streitkräfte am Niederrhein. (Düsseldorf 1967) 24. 4 6 Ypey, ]., Drei römische Dolche mit tauschierten Scheiden aus niederländischen Samm­lungen. Berichten van de Rijksdienst voor het OudheidkundigBodemonderzoek. 10-1 1 (1960-61) 947 ff-

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