Folia archeologica 20.

Edith B. Thomas: Römischer Legionarsdolch von Dunaföldvár

RÖMISCHER LEGIONARSDOLCH 43 Vom Gesichtspunkt der Eroberung bzw. der Besitznahme Pannoniens durch das Militär fällt dieser Angabe eine besondere Bedeutung zu. Es geht nämlich daraus hervor, daß Rom noch um ein Gutes vor dem Beginn des auf dem Lan­desweg aufrechterhaltenen Münzumlaufes am Donaulimes einen regen Verkehr abgewickelt und die Truppenbewegungen aller Wahrscheinlichkeit nach auch nebst dem Landesweg auf dem Wasserweg durchgeführt hat, wobei zugleich die militärische Aufsicht ausgeübt wurde. Das Vorhandensein der Dolche und Dolch­klingen auf den Wasserwegen weist auf die römischen Truppenbewegungen hin, die den Donaulimes Pannoniens in den klaudischen Zeiten mit der Drau-Save­gegend verbunden haben. 3 9 Рлп lebhafter Beweis hierfür ist die große Anzahl der in der Kulpa gefundenen Dolche bei Siscia. Unwillkürlich taucht jene Möglichkeit auf, wonach diese Dolche zur Bewaff­nung der Offiziere der Flottille an der Donau bzw. an den anderen Flüssen gehört haben. Dieser gefälligen Annahme widerspricht unter anderen ein schön ausgear­beitetes Steindenkmal der Rheingegend, 4" auf dem das Parallelstück des Dolches von Dunaföldvár an der Seite des dargestellten Fußsoldaten genau zu erkennen ist. Es kann angenommen werden, daß diese mit polychromer Scheidenverzie­rung versehenen Dolche in der Frühkaiserzeit im Besitz der dem Offizierskorps angehörenden Legionären waren. 4 1 Sehr wahrscheinlich ist, daß ihre Besitzer diese als auszeichnende Abzeichen durch Schenkungen erworben haben. Von den frü­hesten mit reliefartigen Bildern verzierten Dolchen sagt Gonzenbach folgendes: „Diese Kleinreliefs sind also Beispiele der offiziellen Bildsprache ihrer Zeit zu verstehen. In ihrer besonderen und ausschließlichen Bestimmung für den Hee­resgebrauch wird man ihnen von vornherein auch eine gewisse Propagandabedeu­tung zugestehen müssen." 4 2 Betrachten wir nun, welche die Faktoren bzw. die Motive - in Ermangelung der reliefartigen Bilddarstellung - im Falle unserer Dolche von Dunaföldvárer Typ sind, auf Grund deren man unsere Dolche in den Kreis der militärischen Anerkennungen, eventuell in den der kaiserlichen Auszeichnungen, der kaiser­lichen Propaganda reihen könnte. Über die Feinheit der Arbeit hinaus sind es das in Eisen inkrustierte Edel­material, die goldenen und silbernen Fäden, Bleche und Verzierungen, auf Grund welcher wir annehmen können, daß diese zentral fabriziert und im Reich an die­jenigen verteilt wurden, die sich hierfür verdient gemacht haben. Im Motivschatz dominiert der aus Doppelblattmotiven gebildete Kranz, dessen in der römischen kaiserlich-militärischen Symbolik zugefallene Rolle eigens auszulegen sich erübrigt. Hier verweisen wir nur auf die Corona trium­phalis. Das Palmettenmotiv erscheint in dem der Spitze der Dolchscheiden zu zugespitzten Feld gleichfalls als Siegeszeichen. Dem alles Böse abwehrenden apotropäischen Charakter der Pelte fällt in der Siegessymbolik ebenfalls eine Rolle Ii 8., Abb. 49.) Hod Hill Dorset eine Dolchklinge mit Griff [Antiquités of Roman Britain. (London 1958) 71., fig. 36.] 3 9 Barkódéi L., Die Grundzüge der Geschichte von Intercisa. Intercisa II. AH 36. (Bp. 1957) 501. 4 0 Körber, K., Einige römische Grabdenkmäler, die aus Mainz stammen oder im Altertums­museum daselbst aufbewahrt werden. MZ 11(1916) 87. Nr. 40., Taf. IX 7. 4 1 Webster, G., а. а. O.; Ulbert, G., Oberammergau . . . 175. 4 2 Gonzenbach, V., а. а. O. 183.

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