Folia archeologica 19.

Zoltán Kádár: Ikonographische und religionsgeschichtliche Bemerkungen zu den Zierscheiben von Rakamaz

IKONOGRAPHISCHE UND RELIGIONSGESCHICHTLICHE BEMERKUNGEN ZU DEN ZIERSCHEIBEN VON RAKAMAZ Im Mai 1956 erhielt das András Jósa-Museum zu Nyíregyháza von E. Bobok ein Zierscheibenpaar zum Geschenk, das J. Soltész in Rakamaz-Gyepiföld neben einem Skelett vorgefunden hatte 1 (Abb. 5 2—5 3). Der Fund wurde von D. Csallány in seiner Abhandlung über die ungarischen Zierscheiben aus dem 10. Jahrhundert publiziert. 2 Im Zusammenhang mit dem Gebrauch der Scheiben war J. Gy. Szabó der Meinung, daß diese die Verzierungen eines — der Tracht der baschkirischen Frauen ähnlich — über dem Kleid getragenen, vom Hals zur Brust herunter­hängenden stolaartigen Kleidungsstückes gewesen sein dürften. : i Nach der Anschauung von Gy. László hingen diese Scheiben an Bändern, die am unteren Teil des |ungfernkranzes oder der weiblichen Haube befestigt waren, herunter. 4 D. Csallány gab neuerdings der Meinung Ausdruck, daß diese die Verzierungen eines weiblichen Zopfes waren, wobei er sich auf die mit J. Makkay gemeinsam durchgeführten Ausgrabungen zu Tiszaeszlár berief. 3 Eine ähnliche Meinung ver­tritt auch 1. Dienes, laut dem „sie, den bei der Ausgrabung von Bashalom ge­machten Beobachtungen nach, mit Hilfe von Bändern in Frauenzöpfe eingefloch­ten im Grabe an beiden Seiten der Schädel liegen"/' Später schreibt er anlässlich der ungarischen Ausstellung zu Paris, wo unsere landnahmezeitliche Kultur vor allem durch die Funde von Rakamaz vertreten war, unter anderen von den Scheiben: ,,die orientalischen Parallele lassen vermuten, daß diese in vornhinein in falschen Haarflechten eingeflochten mit diesen zusammen befestigt wurden und all dies in einem den nicht alltäglichen Schmuck des Hauptes gebildet hat." 7 Im weiteren wünschen wir die Darstellungen der Zierscheiben von Rakamaz zu untersuchen und die gründliche Studie von D. Csallány mit einigen ikono­graphischen Beobachtungen zu ergänzen. Unser weiteres Anliegen ist — unter Berücksichtigung des sich auf die uralten Religionsvorstellungen der uralaltaischen Völker beziehenden literarischen Quellenmaterials, ferner der aus unserer Volks­kultur rekonstruierbaren Glaubenswelt der ungarischen Urreligion — die Bedeu­tung der Darstellungen auf den Zierscheiben zu untersuchen. 1 Csallány, D., Acta Arch. Hung. 10 (1959) S. 310. - Ebd. S. 310., Abb. 2—4. 3 Szabó, J. Gy., Annales Musei Agiensis 1 (1963) S. 113., Abb. 5—6. i László, Gy., Hunor és Magyar nyomában (Auf den Spuren von Hunor und Magyar). (Hp. 1967) ' . ' . „ , J D. Csallány legte seine diesbezügliche Meinung an der Wanderversammlung der Ungari­schen Gesellschaft für Archäologie, Kunstgeschichte und Numismatik in Nyíregyháza im Jahre 1965 klar. u Dienes, I., Honfoglaló magyarok (Landnehmende Ungarn). Im Band : A kisvárdai vár története (Die Geschichte der Burg von Kisvárda). Hg. von I. Éri. (Ksivárda 1961) S. 159. 7 Dienes, I., L'art au temps de la conquête Arpadienne in «L'art de Hongrie du X e au XX e siècle» (Paris 1966). Ohne Seitenangabe.

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