Folia archeologica 18.

László Barkóczi: Die datierten Glasfunde aus dem II. Jahrhundert von Brigetio

80 l. barkóczi Im allgemeinen kamen aus den Gräbern des 2. Jahrhunderts wenig Gläser zum Vorschein. Dies läßt sich zum Teil den Raubgrabungen zuschreiben, anderer­seits der Tatsache, daß durch die Sitte der Brandbestattung viel Glas zugrunde gegangen ist. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts kann in den Gräberfeldern von Brigetio — von geringen Ausnahmen abgesehen — ohne jeden Übergang derselbe Bestattungsritus und dasselbe archäologische Material beobachtet werden, wie in den westlichen, südwestlichen Gräberfeldern Pannoniens. 0 0 Vor allem läßt sich dies in der Bürgerstadt beobachten, von wo der Großteil der Glasfunde aus dem 2. Jahrhundert stammt. Zu gleicher Zeit zeigte sich auch noch keine für die einheimische Bevölkerung typische Siedlungsform (Grubenwohnungen usw.) in der Stadt. Anfangs des 2. Jahrhunderts finden wir daher keine von der Umgebung zugezogenen Urbewohner in den Zivil- und Militärstädten vor, sondern es erschien hier, wo früher die einheimische Bewohnerschaft keine Siedlung hatte, eine bereits ausgestaltete frührömische Bevölkerung. Diese Bevölkerung dürfte zum Teil mit der Legion gekommen sein, doch gelangte ihr Großteil wahrscheinlich aus West- und Südwestpannonien hierher, wo die seit längerer Zeit anhaltende römische Besetzung die Einheimischen — neben denen auch Italiker oder ihre Abkömmlinge angetroffen werden können — bereits umgeformt hat. 6 1 Die Zivilstadt war im 2. Jahrhundert mehr im Auf­schwung als die Canabae. Hierfür sprechen die reicheren Bestattungen und sonstigen Funde. Die für frühitalisch angesehenen Waren, Gläser und graue Schalen mit Barbotinmuster erscheinen eher in den Gräberfeldern der Zivilstadt. Die Waren, welche man mit Italien in Zusammenhang bringen kann, sind dennoch von geringer Zahl und so dürfte selbst das italische Glas keine häufige Erscheinung in Brigetio gewesen sein. Ein italisches Erzeugnis war wahrschein­lich der mit Rhomben verzierte Glasbecher, das Fragment der mit Millefiori­Technik erzeugten Schüssel und die zylindrische Schale mit gravierter Verzie­rung. Der italische Handel hörte zu Beginn des 2. Jahrhunderts etwa innerhalb von zwei bis drei Jahrzehnten auf"'- und der westliche Handel trat an seine Stelle. 03 Das regelrechte Einsetzen des westlichen Handels müssen wir vom endgültigen Ausbau des Limes rechnen und dieser Zeitpunkt ist das Ende des zweiten, spätestens der Beginn des dritten Jahrzehntes. Die vom Westen hierher ver­setzten Truppen und die Wasserstraße der Donau förderten den engeren Handels­verkehr mit den westlichen Provinzen in großem Maße. Eine bedeutende Komponente des Glasmaterials von Brigetio ist das westliche Glas, dessen Vorkommen prozentmäßig wesentlich höher ist als das des aus Italien stammenden. Seine Parallelen lassen sich besser beobachten. Typische Stücke sind die mit Rippen verzierter Glaskanne, die kugeligen Balsamarien mit Delphinhenkeln, die prismenförmigen, mit aufgeschmolzenen 6 0 Mócsy A., loc. cit. mit weiterer Fachliteratur. Vgl. noch das in den Bänden der DissPann publizierte Material. e l Zeigt sich teilweise auch im Namenmaterial. Vgl. Mócsy A., Die Bevölkerung von Panno­nién bis zu den Markomannenkriegen. (Bp. 1959) In bezug auf Brigetio und Aquincum: S. 58, 66ff. 6 2 Ebd. S. 67, 99. 6 3 Ebd.

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