Folia archeologica 17.
Ján Pástor: Frühbronzezeitliches Gräberfeld in Vsechsvätych
46 J. P ÁSTOR Die Reminiszenzen der örtlichen Vergangenheit machen sich durch die niedrigen Füße, die plastischen Rippen und die Amphorenhenkel bemerkbar. Dieses Ziermotiv finden wir auf den Gräberfeldern der frühen Bronzezeit und in der Kultur von Unetic. Die Materialkultur des Gräberfeldes von Vsechsvätych übertrifft an Reichtum die Kulturen von Nagyrév, Perjámos, Kisapostag, Gâta und Unetic. In dieser Epoche stand das Gebiet der Ostslowakei in unmittelbarer Handels-, Wirtschafts- und kultureller Verbindung mit der Wiege der europäischen Zivilisation. Das Grabfeld stellt nur einen verhältnismäßig kleinen Beweis für die reiche Vergangenheit dieses Territoriums im Rahmen der oberen Theißgegend. In der Keramik des Gräberfeldes fehlen alle vier Typen des Kruges von Nagyrév, welche aus der Begleitkeramik der Glockenbecherkultur hervorgegangen sind. Man kennt sie lediglich in Ungarn. Gleichfalls fehlen die in der Kultur von Nagyrév zahlreicher vorhandenen Gefäße mit durchbrochenem Fuße, des Weiteren die Schüsseln mit eingehaltenem wagrechten oder schrägem Mundrand, welche in der Kultur von Nagyrév und in der Glokkenbecherkultur häutig vorkommen. Die Gräberfelder von Vsechsvätych, Kostanv und Perin gestalten eine neue Kultur, die wir KULTUR VON KO STAN Y benannt haben. Die chronologische Einteilung der Kultur erweist sich als ziemlich problematisch und ist von genauer Kenntnis der Steinzeit und der älteren Bronzezeit — nicht nur der Ostslowakei, sondern des ganzen Karpatenbeckens-abhängig. Unserer Meinung nach entspricht die Chronologie Reineckes 2 0 kaum den geographischen, biologischen und kulturellen Voraussetzungen, was im Besonderen auf die Obertheiß zutrifft, deren einheitlichen Teil die Ostslowakei bildet. Reinecke selbst gibt zu, ohne Kenntnis frühbronzezeitlicher Gräberfelder die Typologie deutscher Bronzen zum Ausgangspunkt gewählt zu haben und darum hielt auch er die Gliederung der Bronzezeit für provisorisch. Wir dürfen annehmen, daß er die Bronzen des Karpatenbeckens mit den deutschen Bronzen verglichen hatte. Gegenwärtig aber verhält sich die Sachlage anders. Mehrere, seither aufgedeckte Gräberfelder des Karpatenbeckens ermöglichen die Revision früherer Auffassungen und Feststellungen, genau so, wie die nächsten Generationen unsere Feststellungen auf Grund der reellen Ergebnisse heute noch unbekannter Ausgrabungen revidieren werden. Die frühe Bronzezeit in der Ostslowakei teilen wir provisorisch in zwei Teile: in die ostslowakische Hügelkultur mit Schnurkeramik Barca I, Fundort IV/i. Schichte (die kannelierte Keramik ausgenommen), und in die Kultur von Kostyány, zu welcher auch das Gräberfeld von Vsechsvätych zu rechnen ist. Mit der in der Ostslowakei in Ausbildung begriffenen Gruppe von Zatiny beschäftigen wir uns vorläufig nicht, da sie bis nun noch nicht publiziert wurde. Die erstere Gruppe halten wir für älter als Reineckes A I, die Zweite können wir in die Übergangsperiode zwischen Reineckes A i-A 2 einreihen. Einzelne Forscher placieren das Gräberfeld von Vsechsvätych den Funden von Grab Nr. 47 (Dolch und Axt) nach in A 2 ja sogar В i. Unserer Meinung nach ist die Einteilung der ersteren Kultur mehr als wahrscheinlich, die der Letzteren provisorisch zu nennen. 2 0 Reinecke, P., Arch. Ért. 19 (1899) 225—251, 316—340.