Folia archeologica 17.

Ján Pástor: Frühbronzezeitliches Gräberfeld in Vsechsvätych

44 J- PASTOR Mundrand mit dem kugelförmigen Korpus. Er gehört nicht zu den Krügen von Nagyrév, die schlanker und in ihren Ausmaßen größer sind und einen dem Hals angesetzten Henkel aufweisen. Das klassische Gefäß der Kultur von Nagyrév fehlt auf dem Gräberfeld von Vsechsvätych gänzlich. Die Keramik ist in Hinsicht auf Technik und Formgebung recht sorgfältig aus fein geschlämmtem Ton hergestellt und in allen Fällen mit der freien Hand geformt. Ihre Oberfläche ist meistens geglättet und schmucklos. Das Gefäß selbst ist entsprechend gebrannt ; es weist — wenn wir von den einfachen Töpf­chen absehensymmetrische Gliederung auf. Der Grund, Korpus, Hals und Rand sind deutlich abgesetzt. Die Materialkultur des Gräberfeldes setzt sich unseren bisherigen Erfahrun­gen nach aus drei Faktoren zusammen: aus der Schnurkeramik, der Begleitke­ramik der Glockenbecherkultur (vermittelt durch die Kultur von Nagyrév) und aus den Resten der örtlichen Kultur. Die Spuren der ersteren Kultur finden wir außer dem erwähnten Keramik­material noch in den fayenceartigen Funden, den aus Meermuscheln hergestell­ten Perlen, den steinernen Pfeilspitzen, in der geschäfteten Steinaxt und dem sog. Brustschmuck der im Schoß des Skelettes aus Grab Nr. 49 gefunden wurde. Wir dürfen annehmen, daß der Schmuck seinerzeit Rang, Würde und Wohlha­benheit bedeutet hatte. I. Bona befaßt sich im Rahmen des Gräberfeldes von Rusovce (Oroszvár) im Besonderen mit diesem Problem ; Rusovce gehört zum Kreis der Kultur von Gâta (Wieselburg) und I. Bona leitet den von ihm beschrie­benen ähnlichen Brustschmuck von der Kultur des Volkes der Schnurkeramik ab. (I. Bona, Der Brustschmuck des Frauengrabes N. 4 von Oroszvár, Beiträge zur bronzezeitlichen Tracht des mittleren Donaubeckens II., A. E. 87. i960, 198—203). Zu ähnlichen Resultaten gelangten H. D. Kahlke inbezug auf die thürin­gische Hügelkultur und in der Sowjetunion A. P. Kruglov und A. P. Oklad­nikov ; H. D. Kahlke, Schnurkeramische „Kettenhocker" aus Thüringen, Alt­Thüringen I. 1953—54) J53 — A. P. Kruglov, B. B. Piotrovskij, G. V. Podhajeckij, Mogilnik v g. Nalcsike, MIA 3, 1941, 67, A. P. Okladnikov, Neolit i Bronzovij vek Pribajkalja III., MIA 43 1955, 43)­Unserer Meinung nach kann der Brustschmuck von Vsechsvätych auf Grund seiner genetischen und geographischen Verbreitung mit den Wande­rungen eines in Vorderasien urbeheimateten, dem Kreise der Schnurkeramik­Kultur angehörigen, östlichen Hirtenvolkes in Zusammenhang gebracht werden. Die Begleitkeramik der Glockenbecherkultur wird durch die Gefäße der Gräber Nr. 3, 19 und 49 repräsentiert. Das aus der Fremde, aus Spanien und Frankreich eingewanderte, mobile Volk paßte sich in der Umgebung von Buda­pest den Verhältnissen des Karpatenbeckens an und hinterließ seine fortschritt­liche Technik in der Erzeugung von Keramik mit geglätteter Oberfläche und leicht profilierter Liniengebung einem größeren Gebiet als Erbe. Inbezug auf die Ornamentik möchen wir die aus eingedrückten Punkten entstandene, senk­rechte Linie von ihnen ableiten. Diese Art der Verzierung finden wir bei der inkrustierten Keramik der Kultur von Vucedol, in der Kultur von Nagyrév, bei den Gefäßen mit durchbrochenem Fuß, des Weiteren in der Kultur von Kisapos­tag und in Tószeg.

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