Folia archeologica 17.

Parádi Nándor: Későközépkori feliratos díszű cserépedények

SPÄTMITTELALTERLICHE TONGEFÄSSE MIT INSCHRIFT Im mittelalterlichen Keramik-Denkmalmaterial Ungarns kommen nur wenige mit Inschrift verzierte Tongefäße vor. Der Verfasser teilte sie in seiner Studie in zwei Gruppen ein: i. in Ungarn, 2. im Ausland verfertigte Gefäße. In der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts vor Allem die in Ungarn von Budaer (Ofener) Töpfern hergestellten, mit Inschrift versehenen Tonschüs­seln (Abb. 49/2—3 ; Abb. 50/2). Ihre Prunkgefäße entsprachen sowohl könig­lichen als auch hochadeligen und bürgerlichen Ansprüchen. Der Vergleich der Bruchstücke der mit „AVE MARIA" Randschrift ver­sehenen Tonschüssel beweist, daß die Schüsseln der Ofener Töpfermeister nicht nur in die Ofener Burg (Abb. 49/2—3 ; Abb. 50/2), sondern auch in entferntere Gegenden, so nach Esztergom (Gran) gelangten (Abb. 49/1 ; Abb. 50/1). Angesichts dieser Erzeugnisse versuchte man sich auch in Töpferzentren der Provinz mit ihrer Herstellung. Trotz dem Unterschied in der Buchstsben­form stellt das auf der Insel Helemba (Kom. Komorn) ans Tageslicht gekom­mene Schüsselrand-Bruchstück (Abb. 51) eine in der Provinz erzeugte Abart der Ofener Exemplare vor. Die bei den Burgausgrabungen in Nagykanizsa (Kom. Zala) gefundene Ton­schüssel wurde in einem Töpferzentrum des südwestlichen Transdanubiens er­zeugt. Nachdem man in dieser provinziellen Werkstatt über keine Siegelwalze verfügte, zierte man den Rand der Tonschüssel mittels des zum Verzieren der Prunkgefäßwände verwendeten Walze (Abb. 53/1—3, 5—6 ; Abb. 52). So ergab sich ein dem Hintergrund der beschrifteten Schüsselränder ähnelnder Zierat (Abb. 52). Das Bruchstück des Tongefäßes mit Inschrift von Nagykálló (Kom. Sza­bolcs—Szatmár) (Abb. 56), fand seine Analogie im südböhmischen Fundmate­rial, in dem aus Sezimovo Üsti stammenden, mit Inschrift versehenen Tongefäß (Abb. 57). Die tschechische Forschung sondert diesen Fund als hussitische Ke­ramik ab und verweist ihn in den Beginn des XV. Jahrhunderts. Man erklärt das ungarische Vorkommen als natürliche Folge der Verbrei­tung des Hussitismus und des im XV. Jahrhunderts mit Böhmen und Mähren betriebenen ungarischen Handels. Diese Ansicht wird auch durch das verhält­nismäßig häufige Vorkommen der in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts im mährischen Lostice hergestellten Steingutbecher auf ungarischem Gebiete unterstützt. Das bis nun bekannte Fundmaterial stellt zu Beweis, daß die Tongefäße mit Inschriftzierat im mittelalterlichen Ungarn lediglich seltene Gebrauchsstücke vorstellten.

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