Folia archeologica 16.

Mihalik Sándor: Adalékok a régi magyar művészi kerámiagyártás történetéhez

BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DER A L T U N G A R I S С H E N KÜNSTLERISCHEN KERAMIKERZEUGUNG Die nach der Befreiung Ungarns von der eineinhalb Jahrhunderte dauernden Türkenherrschaft eingetretenen Veränderungen gestalteten eine Gesellschaft, deren Lebensform Mitte des 18. Jahrhunderts keramische Fabrikserzeugnisse und zu deren Dasein diese industrialisierte Schönheit schon unbedingt dazugehörte. Franz von Lotharingen, der Gemahl Maria Theresia's, die den österreichi­schen Kaiser- und den ungarischen Königsthron innehatte, machte sich den güns­tigen Umstand zunutze, daß in den damaligen westlichen und nordwestlichen Landesteilen noch zahlreiche fähige Keramiker lebten. Er sidelte aus seiner ver­lorenen lotharingischen Heimat geniale Keramiker um und errichtete mit ihrer Hilfe 1743 in Holies eine große Fabrik zur Erzeugung von künstlerischen Fayen­cen nach französischen Mustern. Dieses einst auf ungarischem Boden tätige Unter­nehmen ist die früheste, in der Reihenfolge die erste Fayencefabrik der ganzen Monarchie. Ihre historische Bedeutung wächst noch insoferne, als sie die vege­tierende und kleinstädtisch verkümmernde ungarische Keramik mit einem Schlage auf das künstlerische Niveau der westlichen Keramik erhob. Damit schuf sie diese schwindelerregende Umwandlung der ungarischen Keramik, die ihrerseits getreu und zeitgemäß die Umbildung widerspiegelte und zum Ausdruck brachte, welche im Leben und in der Gesellschaft des Landes vor sich ging. Franz von Lotharingen blieb jedoch nicht der einzige Nutznießer dieser künstlerischen Keramikfabrikation. Einige, auf die Vorrechte des Feudalismus pochende Persönlichkeiten wünschten an ihrem Ruhm und Nutzen teilzuhaben. Einer der Wettbewerber war Herzog Paul Anton Esterházy, welcher im Besitze seiner riesigen Güter den „Kleinen König" das damaligen Landes vor­stellte. Aus einem 1760 an seinen Sekretär gerichteten Schreiben entnehmen wir, daß er es vorziehe, seine Porzellanfabrik in Landzsér (Landsee) zu stabilisieren, aber wenn dies der Bevölkerung Unannehmlichkeiten bereite, sollte man sie nach Lakompak (Lackenbach) verlegen. Es ist indessen unbekannt, ob dieses Trachten lediglich Absicht, Versuch, oder nur Planung geblieben ist, oder ob es in gewissem Maße zur Tat verwirklicht wurde. Zwei Jahre später verstarb der Herzog und es ist wahrscheinlich, daß hiemit auch die Angelegenheit der Porzellanfabrik begraben wurde. Zu gleicher Zeit mit diesem Vorhaben versuchte Graf Joseph Esterházy in Tata (Totis) eine Majolikafabrik zu errichten. Wir haben aus dem Jahre 1760 den Fabrikbau betreffende, archivarische Angaben. Sebastian Pfeiffer aus der Holicser Manufaktur wurde als Fabrikationsleiter gewonnen. Der Versuch brachte indessen kein endgültiges Ergebnis, denn im ersten Viertel des Jahres 1762 wurde die Arbeit eingestellt. 1768 fachten drei aus Holies kommende Meister das Feuer in den Brennöfen der Tataer Fabrik von neuem an, allein nach kaum einjährigem Betrieb entfloh der Leiter namens Andreas Pram einfach. Im Winter 1769 wurde Alexander Her­mann, ein hervorragender Fachmann, der in der Holicser Fabrik eine leitende Stellung innegehabt hatte, an die Spitze der Tataer Fabrik berufen. Der neue Leiter des nur schwerfällig in Gang kommenden Unternehmens starb jedoch Anfang 1772 in jungen Jahren und an seine Stelle trat seine Witwe, Christine Frank. Mit ihr nimmt diese Glanzzeit der Fabrik ihren Anfang, über die Elemér

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