Folia archeologica 14.
H. Kolba Judit: Románkori feliratos sírkőlap
Eine, mit Inschrift versehene romanische Grabsteinplatte 123 Auf Grund paleographischer Untersuchungen läßt sich die Ausführung des Grabsteins in die Zeit um die Wende des 12—13. Jahrhunderts setzen. Diese Datierung wird durch die Buchstabe A, C, D, L, M, Q und R der Inschrift bestätigt (Abb. 50. 1). Im ungarischen Steindenkmalmaterial sind Inschriften ähnlichen Typs nicht unbekannt, denken wir an die Porta Speziosa (Abb. 50. 2) aus der Zeit des Königs Béla III, an die Steintafel, welche die Bodenschenkungen des Königs verewigt (Taf. XIX. 1 ; Abb. 50. 3), an das Grabmal des Márton Ravesu (12. Jh. — Abb. 50. 4), an den Bodenziegel eines unbekannten Mönches aus Bulkesz (12. Jh. — Taf. XIX. 2; Abb. 50. 5), sowie an den Grabstein von Ugrin Csáky in Esztergom (1204; — Taf. XVIII. 3; Abb. 50. 6). Dem Text der Inschrift begegnen wir jedoch vom 12. bis zum 18. Jahrhundert auf ungarischen, französischen, serbischen, belgischen und deutschen Grabplatten gleicherweise. Sowohl auf Handschriften, als auch in Epitaphiensammlungen ist erin zahlreichen Museen oder Bibliotheken Europas vorhanden. Der in gereimten Hexametern geschriebene Text unseres Grabsteins taucht indes manchmal auch in ungereimter Form oder in Prosa auf. Da das Material unseres Grabsteins Marmor von Gerecse ist, haben wir seinen Eigentümer in einem der in der Umgebung Esztergom (Grans) gelegenen Klöster zu suchen. Das in dem Vers vorkommende Wort pater dürfte auf einen Orden weisen, dessen Abt so genannt wurde. Das ist am häufigsten bei den Prämonstratensern üblich, folglich können wir eines der mittelalterlichen Klöster in der Umgebung Esztergoms mit unserem Grabstein in Zusammenhang bringen. Eine Stütze für diese Vermutung finden wir in einer vom Ende des 12. Jahrhunderts aus dem Windberger Prämonstratenserkloster stammenden mittelalterlichen Epitaphiensammlung (welche ähnliche Grabinschriften in Versform enthält), die ziemlich früh nach Ungarn gelangt sein dürfte. Über den Meister der Grabsteinplatte haben wir lediglich soviel feststellen können, daß er zwar ein in der' Handschrift bewanderter, in der Steinbeai beitung aber weniger geübter Meister gewesen sein dürfte, was auch die schwach gezeichneten Buchstaben der Platte verraten. Der in der Inschrift vorkommende Name Apolinaris dürfte der Besitzer des Grabsteins gewesen sein. Der Name ist in den mittelalterlichen Namensverzeichnissen nicht enthalten und nur ein Domherr dieses Namens ist uns aus Esztergom für die Jahre zwischen 1211—1218 bekannt. Ihn können wir vorläufig nicht identifizieren.