Folia archeologica 12.

I. Lengfei: Beiträge zur Ursprungsfrage der Kustanovice-Kultur

62 I. Lengye I skythische Kultur war entlang des Unterlaufes der Flüsse Bug und Dnjepr und nördlich des Azowischen Meeres verbreitet. 6 Auf Grund dessen wiesen Grakow und Meljukowa darauf hin, dass das Gräberfeld von Kustanovice hinsichtlich des Bestattungsritus und der Keramik dem im nordwestlichen Teil des Mittellaufes des Dnjestr erschlossenen archäolo­gischen Material nahe steht, dessen autochtoner Ursprung einwandfrei ge­klärt ist. 7 Meljukowa hebt bei der Behandlung der westlichen skythischen Kultur in Mitteleuropa folgende Gruppen hervor: die siebenbürgische, die mittel­bulgarische und der Theiss entlang die zentralungarische, wobei sie bemerkt, dass sich dieser letzteren die von Kustanovice eng anschliesst. In diesen Gebie­ten lebten nach der auch von Meljukowa gebilligten Meinung thrakische Stämme. Anderseits steht das Gräberfeld von Kustanovice in enger Beziehung mit der westpodolischen und der siebenbürgischen Gruppe. Die Autorin deu­tet darauf hin, dass im Gräberfeld „sehr wenige Züge der skythischen Kultur anzutreffen sind."" M. J. Smischko ist der Meinung, dass die Gruppe von Kustanovice ein eigenartiges Gepräge hat, aber in der Früheisenzeit mit den Kulturgruppen der verschiedenen Stämme Ost- und Mitteleuropas in Verbindung stand, u. a. auch mit der skythischen Kultur. Allerdings scheint jene Hypothese, wonach es sich hier um skythische Funde handelt, keineswegs begründet, da weder der Bestattungsritus, noch das Fundmaterial mit der skythischen Kultur ge­meinsame Züge aufweist. 9 Laut Ansicht des Autors lebten am Ende des Zeit­alters vor und zu Beginn u. Z. in diesen Gebieten nördliche Thraker. 3 0 Nach der Meinung von Potuschnjak handelt es sich in diesem Fall um eine skythische Kultur lokaler Färbung. Die „Skythen" übernahmen seiner Ansicht nach, in dieses Gebiet angekommen, die Traditionen der autochtonen Bevölkerung. 1 1 Unter „Skythen" versteht der Autor offensichtlich nicht die eigentlichen Skythen, sonst hätte er diesen Namen nicht unter Anführungs­zeichen gesetzt. Dies sind dem Wesen nach die Ansichten, die wir über die genetische und ethnische Zugehörigkeit der Kustanovice-Kultur kennen. Die Kultur wird in das 7. Jahrhundert vor u. Z. (Böhm und Jankovich), bzw. vom 8. Jahr­hundert bis zum 3. Jahrhundert datiert. 1 2 Wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, hat sich mit der Analyse der ma­teriellen Hinterlassenschaft dieser Kultur niemand so eingehend beschäftigt, dass er auch die Forschungsergebnisse der letzten Jahre berücksichtigt hätte. 6 Grakow, B. N.— Meljukowa, A. I., Ob etnitscheskich i kulturnich raslitschijach w step­nich i lesostepnich oblastjach ewropejskoj tschasti SSSR w skifskoe wremja. Woprosy skifo­sarmatskoj archeologii. (Moskwa 1954.) S. 39 — 93. 7 Grakow, B. N.— Meljukowa, A. /., Dwe archeologitscheskie kultury Skifii Gerodota. Sow. Arch. 18(1953) S. 122-123. я Meljukowa, А. I., К woprosu о pamjatnikach skifskoj kultury na territorii Srednej Ew­ropy. Sow. Arch. 22(1955) S. 245-246. » Smischko, M. Ju., a. a. O. S. 28. 1 0 Ders., Dwa kurganni magilniki w okolizjach s. Isi, Sakarpatskoj oblasti. Arch. pam. URSR 3(1952) S. 331. 1 1 Potuschnjak, F. M., a. a. O. S. 123. 1 2 Smischko, M. Ju., Kurganny magilnik. . . S. 28.

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