Folia archeologica 12.

J. Korek: Die Goldscheiben von Csáford

32 J. Korek In Zusammenhang mit den Goldscheiben stand die Frage ihrer zeitlichen und kulturellen Stellung bisher im Vordergrund. Der Fundort von Csáford gibt auf Frage keine eindeutige Antwort. Die im Laufe der nachträglichen Ausgrabungen zum Vorschein gelangten Funde stellen die weitere Frage, ob zwischen der Siedlung und den Goldscheiben ein Zusammenhang besteht. Meiner Ansicht nach kann die Frage bejahend beantwortet werden. Der Goldfund wurde nicht in einem Gefäss dem Schutz der Erde anvertraut, sondern ganz einfach in geringer Tiefe versteckt. In diesem Gebiet siedelte sich bis zum 15. Jahrhundert kein anderes Volk an. Es gehörte zu der mit Gebüsch bewachsenen Terrasse über dem Überschwemmungsgebiet des Flusses Zala an der Grenze des grossen Waldgebietes. Der Hügelrücken senkt sich sanft zum Bett des Flusses Zala, wo sich in der Nähe des Wassers ein vor Überschwemmungen geschütztes Siedlungszentrum befand. Die an der Oberfläche gefundenen und gesammelten Siedlungsfunde bestätigen dies. Die Gleichzeitigkeit der Siedlung und der Goldscheiben beweisen weiter andere ähnliche Funde mit sicheren Fundortsangaben. Sowohl die Funde von Stollhof als auch von Csepin gestatten eine Datierung in die Übergangszeit von der Kupfer- in die Bronzezeit. Driehaus möchte den Fund von Stollhof den Verbreitungsgebiet der Badener Kultur zuweisen. 1 1 Die Bedeutung der Badener Kultur wird in einem solchen Zusammenhang m. E. überschätzt. Die Chronologie der Badener Kultur wurde in den letzten Jahren geklärt. Man kann die Goldscheiben mit dem frühbronzezeitlichen Fund von Stollhof gleich­zeitig ansetzen. 1 2 Patay hat bis jetzt noch unveröffentlichte Goldscheiben unbe­kannten Fundortes vom Typus Stollhof, die denselben Typus vertreten wie die von Csáford, beschreiben 1 3 und in Zusammenhang mit diesen befasste er sich auch mit den goldenen Schmuckstücken des Gräberfeldes der Perjämoser Kultur von Óbéba (Beba Veche), wobei er andeutete, dass diese, was ihren Gebrauch und ihre wesentlichen Merkmale betrifft, als Analogien gelten. Wenn er diese letzteren auch aus dem Kreis jener Funde ausschliesst, die Anhaltspunkte für die Datierung der ersten bieten, glaubt er an einen Zusam­menhang zwischen beiden Gruppen, wobei die Óbéba als weiterentwickelte Formen der bückelverzierten Scheiben gelten können. 1 1 Die formellen Überein­stimmungen bieten die Möglichkeit, die Goldscheiben von Csáford nicht mit Hilfe des Goldschmuckes von Óbéba zu datieren. Nach N. Kalicz verrät das Gefäss des Grabes 49 von Óbéba den Einfluss der nordischen Schnurkeramik, wobei der frühesten heimischen Bronzezeit von Alsónémedi eine Vermittlerrolle zukäme. 1 5 Die Gräber von Óbéba haben manche Merkmale mit denen von Alsónémedi gemeinsam und so steht ihre Datierung mit dem Scherbenmaterial von Csáford in Einklang. Anderseits sind in dem Gräberfeld von Óbéba auch Funde zum Vorschein gekommen, die südlichen Beziehungen erkennen lassen, 1 1 Driehaus, ]., Zur Datierung und Herkunft donauländischer Axttypen der frühen Kupfer­zeit. AG 3 (1952) S. 5. 1 2 Kalicz N; A rch. Ért. 85(1958) S. 3-5.; Kutsán I., Acta Arch. Hung. 11(1959) S. 156. und mit Berufung auf die Arbeit von Banner J.—Ku/zián I., Beiträge zur kupferzeitliche Chrono­logie des Karpatenbeckens. Antoniewicz-Festschrift. Unter Druck. 1 3 Patay P., Arch. Ért. 85(1958) S. 44. Taf. XVII. 5, 6. Taf. XIX. 1, 5. 1 4 ebenda S. 44. 1 6 Kalicz N.. Arch. Ért. 84(1957) S. 130-133.

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