Folia archeologica 11.

A. Kerényi: Gruppierung der Barbarenmünzen Transdanubiens

48 Л. Kerényi neuen Wohnsitzen kamen sie bald auch mit den südlich und südöstlich von ihnen wohnenden, kulturell höher stehenden Völkern in enge Berührung; so im besonderen mit dem makedonischen Reich. Der Handel mit den griechi­schen Gebieten liess sie bald mit den griechischen Münzen bekannt werden. Die Kelten Transdanubiens lernten vor allem die silbernen Tetradrachmen Philips II. und die Goldstatere Alexanders des Grossen kennen und schätzen. Von da an ward das Geld für sie unentbehrlich nicht nur im ausländischen, sondern auch im inländischen Verkehr. Da auch nach dem Tode von Philipp II. bezw. von Alexander dem Grossen die Prägung des originalen Philippers nicht aufgegeben sondern bis zur Auflösung des makedonischen Reiches fortgesetzt wurde, konnten sich die in Transdanubien sesshaften Kelten auch weiterhin originelle makedonische Gepräge zur Ergänzung ihres Münzbedarfes beschaffen. Der ungestörte Zufluss an makedonischen Philippern dauerte an die zwei Jahrhunderte hindurch und es ist nicht zu verwundern, dass sich die Kelten derart an diese Münze gewöhnt hatten, dass sie ihrer nicht mehr entbehren wollten, auch als mit dem Untergang des makedonischen Reiches die Prägung der Philipper abgebrochen war. So waren sie denn bei der Er­gänzung ihres Bedarfs an Münzen auf sich selbst angewiesen und sie halfen sich indem sie die bei ihnen so volkstümliche madekonische Münze nachzu­ahmen begannen. Als der Zufluss an originellen Münzen aufhörte, begann man in jenen Gebieten zuerst Nachahmungen herzustellen, die der Originalquelle am nächsten lagen. Das war das Gebiet des heutigen Jugoslawiens, wo das Volk der Skordisker wohnte. Die frühesten Nachahmungen waren noch sehr treue Kopien des Originals und nur der Stil der Bearbeitungsweise verrät, dass wir nicht mit Originalprägungen zu tun haben. Nachdem also die origi­nalen Philipper nicht mehr geprägt wurden, deckten die Kelten Transdanubiens mit diesen unmittelbaren Nachahmungen ihren Bedarf an Münzen. Sowohl die originalen Philipper als auch diese frühen Nachahmungen können daher in ganz Transdanubien — allerdings in geringer Zahl — gefunden werden. Die Prägung dieser frühen Nachahmungen währte bis 107 v. d. Zw., also bis zum Zeitpunkt, als die Römer die Skordisker unterwarfen. Da nun auch diese Münzquelle endgültig versiegt war, sahen sich die an den Geldumlauf gewöhnten Kelten schliesslich gezwungen, ihren Münzbedarf durch eigene Münzprägung selbst zu decken. Nun waren aber die Kelten — wie es eben bei den primitiven Völkern der Fall ist — jeder Neuerung abhold und hielten an der von altersher gewohnten Form fest, auch als sie sich zur selbständigen Prägung von Münzen entschlossen hatten. So imitierten sie den schon wohlbekannten Münzentyp. Selbstverständlich war diese selb­ständigen Münzprägung nicht mehr einheitlich; jeder Stamm hatte Münzen eigenen Charakters. Das heisst, dass jeder Stamm seinen eigenen, selbständig ausgeprägten Typ besass. Geling uns daher die Barbarengepräge Transdanu­biens typologisch voneinander zu trennen, so erhalten wir durch die geo­graphischen Lokalisation der einzelnen Typen auch das Siedlungsgebiet des Keltenstammes, das die betreffende Münzsorte geprägt hat. Von ungarischer Seite hat sich Ödön Göhl in der Zeitschrift „Numizma­tikai Közlöny" viel mit der Gruppierung dieser Gepräge, ihrer territorialen Umgrenzung und Zuschreibung an einen bestimmten Keltenstamm beschäf­tigt. In Fällen, wo durch zeitgenössische schriftliche Quellen die geographi-

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