Folia archeologica 9.

Sándor Bökönyi: Mitteleuropäische vorgeschichtliche Büffelfunde

42 S. Bökönyi artige Darstellung aus Mesopotamien ist ihm von der Mitte des III. Jahr­tausend v. u. Z. bekannt, weshalb er annimmt, dass sich der Büffel zu diesem Zeitpunkt nach Indien zurückzog (wahrscheinlich erfolgte dieser Rückzug etwas später). Da dem Forscher selbst noch aus Algier eine vorgeschichtliche Arnidarstellung bekannt ist, ist er der Ansicht, dass der Büffel auch in weit westlich von Mesopotamien liegende Gebiete gelangte. Diese Angabe wird auch dadurch bestätigt, dass von Pomel schon bedeutend früher aus Algier stammende vorgeschichtliche Büffelknochen nachgewiesen wurden, die der Forscher von einem dem Arnibüffel sehr nahe stehenden (also nicht von den auffallend abweichenden afrikanischen Büffeln) ableitete. 2 1 Die auf diese Weise nach Westen (bzw. wie wir noch sehen werden nach Norden) gelangten indischen Büffel starben — mit der Verschlechterung des Klimas — im diesen Gebieten aus oder zogen sich nach Südosten zurück. Von da an gelangte der Büffel der asiatischen Gruppe nur mehr in domestizierter Form in diese Gebiete und nach Europa. Es war Szalay, der sich als erster eingehender mit dem Erscheinen und der Verbreitung des Hausbüffels im Nahen Osten und in Europa beschäftigte. 2 2 Seiner Ansicht nach geschah dies in folgender Reihen­folge : Von dem Orte der Domestikation, also aus Indien, gelangte der Haus­büffel zuerst nach Persien (II. .Jahrhundert v. u. Z.), dann (im 1. Jahrhundert n. u. Z.) zu den Arabern, wo er ein sehr wichtiges Haustier wurde. Von Arabien aus verbreitete er sich, wie aus einem Zentrum, in den benachbarten Gebieten und gelangte im IV. Jahrhundert nach Armenien und in die Küstengegend des Schwarzen Meeres. Im V. Jahrhundert war der Hausbüffel bereits in ganz Kleinasien verbreitet. Ende des V. .Jahrhunderts erreichte er das Ufer des Kaspischen Meeres und Südwestrussland. Nach Ungarn wurde er in dem Jahre 560 von den Awaren gebracht. Von Ungarn aus gelangte er im .Jahre 596 auch nach Italien. Von Kleinasien aus kamen in der ersten Hälfte des VI. Jahr­hunderts vereinzelte Exemplare nach Griechenland, doch in grösserer Anzahl verbreitete sich der Hausbüffel erst dann auf der Balkanhalbinsel, als ihn die Bulgaren im .Jahre 679 — über die Donau — mit sich nach Bulgarien führten. Nach Frankreich und England gelangte er nur spät, im Jahre 1154 bzw. im .Jahre 1252. Aus Deutschland ist Szalay aus dem .Jahre 874 der erste Ortsname bekannt, der mit dem Begriff Büffel in Verbindung gebracht werden kann. 23 Nach der Ansicht Szalays war der Büffel im X —XII. .Jahrhundert in Deutsch­land ein verbreitetes Haustier. 2 4 Das von Szalay für das Erscheinen des Büf­fels in Ungarn festgestellte Datum wird auch von Hankó übernommen. 2 5 Im Gegensatz zu Szalay ist La Baume der Ansicht, dass der Büffel zu einem wesentlich späteren Datum in Vorderasien und in P^uropa erschien und zwar 2 1 Pomel, L., Carte géologique de l'Algerie. Babulus antiquus. (Algier 1803) Taf. X. Zit. bei Hilzheimer, M. (Säugetierkunde... S. 157.) 2 2 Szalay В., Der Wisent im Brehm. Zool. Ann. 6(1914) S. 64 ff. 2 3 Szalay В., Der Meerochs. Zool. Ann. 6(1914) S. 98. Der Verfasser erwähnt ebenda auch den aus dem VIII. Jahrhundert stammenden Personennamen „Pufulus" (Nécrologie Germ. II. 32), doch könnte dieser wohl auch aus dem Namen Wisent gebildet worden sein. 2 4 a.a.O. S. 97. 2 5 Hankó В., A magyar háziállatok története. (Die Geschichte der ungarischen Haustiere). (Bp. 19Г.4) S. 70.

Next

/
Thumbnails
Contents