Folia archeologica 3-4.

Alföldi András: Antik ábrázolások az euráziai lovaspásztorok kulturalkatának ismeretéhez

ALFÖLDI: ANTIKE DARSTELLUNGEN ZUR KENNTNIS DER KULTUR DER REITERHIRTEN 177 Es handelt sich um eine nieliierte Bronzeplatte in Firenze, auf welcher diese Szene zwischen verschiedenen Jagdschilderungen auftritt. Da ist es ganz klar, dass der Reiter, der hier die spät­römische Jägertracht anhat, und auch diesmal ein Pferd verfolgt, eine auf einem langen Stiel befindliche Schlinge auf den Hals seines Opfers werfen will. Minto hat dies übersehen; er wollte hier ein «cappio scorsoio» sehen, also die laquei curraces, die in dem Cynegeticon augusteischer Zeit des Qrattius (v. 89—90) zwischen den Jagdgeräten aufgezählt sind. Es ist wesentlich, dass es sich hier gar nicht um eine echte Jagd­szene handelt, sondern um eine bezeichnende Handlungsweise der eurasischen Reiterhirten. So möchten wir die Annahme riskieren, dass das Bildmotiv nicht durch die Übernahme altper­sischer Jagdbilder durch die griechisch-römische Kunst bedingt ist, die durch G. Rodenwaldt in zwei schönen Studien im allgemeinen erwiesen worden ist (SB Preuss. Akad., ph.-ist. Kl. 1933, XXVII. und JHS. 53, 1933, 181 ff.), denn die Perser hätten das Einfangen des Pferdes niemals mit der Jagd — und noch obendrauf mit der Jagd des Monarchen — zusammengeworfen. Es scheint vielmehr, dass ein hellenistischer oder römischer Künstler dieses charakteristische Motiv der Skythenschilderungen der klassischen Kunst in eine Darstellung der verschiedenen exotischen Jagdarten aufnahm und seine ganze Komposition samt diesem heterogenen Bestandteil sich auf die Spätantike vererbt hat. So können diese römische Bildwerke als neue Dokumente für das Auftreten des Fang­stabes im Umkreis der Klassischen Kultur ver­wertet werden. Und damit rühren wir nicht etwa eine bedeutungslose Einzelfrage der Ethno­graphie an, sondern einen der wesentlichsten Züge der Kultur der Reiterhirten. Wir haben es nämlich schon anderwärts betont, 6 dass die Benützung des Lassos grundlegend für die Aus­gestaltung dieser Lebensform überhaupt gewesen ist. Denn der Nomade vermochte durch diese wichtige Erfindung seine Pferde festnehmen, einspannen, melken, ohne sie in einen Stall einzusperren: er hat das Pferd gar nicht «do­mestiziert», sondern durch seinen Lasso auf der Steppe für sich nutzbar gemacht und die Pferde­herden in einer ständigen Pendelbewegung zwischen Sommer- und Winterweiden nach festem Plan zu verschieben und lenken vermocht. 6 A. A., Századok 74, 1940, 131. Es gibt aber mehrere Arten des Lassos. Wenn wir die uns zu Verfügung stehenden anti­ken Literaturangaben betrachten, die den Lasso der Skythenvölker erwähnen — Gy. Moravcsik hat sie schon vereinigt, 7 — so fällt es sehr auf, dass sie alle vom einfachen Wurfseil sprechen, die man vom Pferde geschleudert hatte, niemals aber vom gestielten Stab-Lasso. So ist das Wurfseil der Hunnen als ßgöxog, oxoiviov 8 bezeichnet oder als aus contorta la­cinia 9 bestehend geschildert. Bei der Erzählung der Invasion eines «hunnischen» — vermutlich bulgarisch-türkischen — Volkes erwähnen die Byzantiner, dass dieser Feind ihre Heerführer mit Wurfschlingen gefangen genommen hat 10 (éoóxsvoav bzw. töúmioav). Auch da ist also keine Spur vom Fangstab, der für die Anwendung im Kampf und für den Wurf auf eine weitere Ent­fernung auch nicht geeignet ist. Das Wurfseil: ist bei den innerasiatischen Türkenstämmen bis in die neueste Zeit im Gebrauch geblieben. W. Radioff sagt, 1 1 dass der Lasso noch immer «am Sattel jedes Altaiers hängt»; auch in der Epik dieser Völker kehrt oft der «sechsfach gewun­dene Arkan» zurück. 1 2 Die nördlichen Nachbaren der pontischen Skythen, die vermutlich ebenso keine Türken, wie keine Iranier waren, und die statt des Pfer­des ihre Lebensunterhalt auf das Renntier ge­stützt haben, benützten ebenfalls die Wurf­schlinge, wie es unsere Abb. 1. schon bekundet hat. Im Bereich der Renntier-Kultur ist der Seil-Lasso auch später üblich geblieben; Castrén hat es z. B. vermerkt, dass die Lappen das Renn mit Hilfe von solchen festnehmen. 1 3 Was die Iranier anbetrifft, können wir bei ihnen die nämliche Sachlage feststellen. Auf den prachtvollen Szenen der grossen Silbervase von Certomlyk, die die Bändigung von Pferden 7 Gy. Moravcsik, Körösi Csorna Archívum 1, 1921— 1925, 276 ff. 8 Sozom. 7, 26, 8. Leider ist der Text verdorben und die Emendation von Hussey hilft auch nicht. 9 Ammian. 31, 2, 9. 1 0 Malalas, p. 438, 10 sqq. Bonn. Theophanes p. 218 De Boor. Vgl. Moravcsik, а. O. 279. 1 1 W. Radioff, Das Kudatku bilik des Jusuf-Had­schib aus Bälasagun 1, 1891, p. LXXI. 1 2 M. A. Castrén, Ethnologische Vorlesungen über die altaischen Völker (hrsg. v. A. Schiefner), 1857, 216, usw. 1 3 M. A. Castrén, Reiseerinnerungen aus den Jahren 1838—1844 (hrsg. v. A. Schiefner), 1853, 45. 12

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