Folia archeologica 3-4.
Radnóti Aladár: A zalahosszufalusi ezüstlelet
119 RADNÓTI: DER SILBERFUND VON ZALAHOSSZ ÜFALU len mussten. Es ist wahrscheinlich, dass diese Ereignisse mit den Quaden Zusammenhägen. Für die Zusammensetzung des Fundes von Ipolyvisk ist es karakteristisch, dass hier die Stücke des Antoninus Pius in geringerer Anzahl vorkommen als in den Denarfunden des freien Germaniens, wo gerade die Antonine vorherrschend sind. Es scheint, dass zur Zeit des Antoninus Pius mit den Quaden eine anhaltende Spannung herrschte. 21 Die Silberdenare kamen also spärlicher über die Grenze. Unsere Funde markieren eine wahrscheinlich lokale Kriese dieser Spannung, die aber der friedlichen Regierungszeit des Antoninus Pius keinem Abbruch tat. 2 2 Wir müssen aber diese Spannung doch als ein Vorspiel des grossen markomannisch-quadischen Krieges auffassen, welche die Romanisation Pannoniens gänzlich aufwühlte. t Silbergefässe sind in Pannonién selten. Die silberne Patera des Fundes (Taf. I 2-2a, Taf. II 2, Abb. 1) ist in einem Stücke gegossen. Die Form wurde durch feine Drechselarbeit geschaffen, Länge 182 mm, Durchmesser der Öffnung 101 mm, Länge des Griffes 86 mm, Durchmesser der Basis 64 mm, Höhe 61 mm, Gewicht 227-4 gr. Diese Patera steht in engem Zusammenhange mit zwei anderen Silberpfannen, von welchen eine in Pannonién gefunden wurde. Es wurde in Schwechat (bei Wien) geborgen und befindet sich im Museum Carnuntinum von Deutschaltenburg (Inv. Nr. Ag. V 49). 2 3 Der Form nach ist es eine genaue Analogie der Patera von Zalahosszúfalu, nur die gedrechselten Kreise des Griffes haben eine andere Verteilung. Länge 189 mm, Durchmesser des Mundsaumes 105 mm, Höhe 60 mm, Gewicht 253 gr. Am Griff ist eine eingeritzte Inschrift DIAN(ae) (Taf. I 3, 3a; Taf. II 3). 2 4 Der Fundort des zweiten Stückes unbekannt und es befindet sich im Kunsthistorischen Mu2 1 Es ist möglich, dass der Statthalter Pannoniens zwischen den Quaden Ordnung schaffte; auf solcher Strafexpedition weisst die Vita des Kaisers Antoninus Pius: ...per legatos plurima bella gessit (Vita 5, 4), vgl. A. Alföldi, а. О. 102. 2 2 Anders deutet V. Ondrouch, а. O. 32 f, vgl. K. Regling, а. O. 240 ff. 2 3 Die Photographien und Massen der zwei Pateren verdanke ich den Herrn Kustoden Dr. R. Noll (Wien, Kunsthistorisches Museum). 2 i Gazette archéologique 1884, 266; W. Kubitschek —S. Frankfurter, Führer durch Carnuntum 5 Aufl. 1904, 39; über die Inschrift s. CIL III 6016, 1. seum, in Wien (Inv. Nr. Vila 17). 2 5 Länge 192 mm, Durchmesser der Öffnung 106 mm, Höhe 67 mm, Gewicht 337 gr. (Taf. I 1, la; Taf. II 1). Die Pfanne ist von besserer Arbeit als die zwei pannonischen Stücke, ist rundlicher, schwerer. Längst des Griffes ist eine vergoldete, eingelegte Inschrift: MERC(urii). 2 6 Es ist auffallend, dass die Masse der Kasserollen eine grosse Analogie aufweisen. Die drei Kasserollen ahmen eine in Bronze gut bekannte einfache Küchenform nach, 2 7 das Edelmetall reiht sie aber dennoch unter die seltener vorkommenden Tafel oder Votivgefässe ein. 28 Die Form wurde ohne jeden Zweifel durch die Zweckmässigkeit bestimmt, und diese Form ist für zahllose Bronzegefässe typisch. Schon J. Arneth weist auf die nahe Analogie des Wiener Stückes mit den silbernen Pateren 2 5 Musei Franciani descriptio II 160, Nr. 75; J. Arneth, Die antiken Gold und Silbermonumente (Monumente des К. K. Münz und Antiken-Cabinets in Wien) 1850, 79 Arg. 1, Nr. 92, Taf. S. 1; E. v. Sacken—Fr. Kenner, Die Sammlungen des К • К • Münz und AntikenCabinets 1866, 333, Nr. 15. Inschrift: CIL III 6016, 2. An der letzten Stelle ist Ungarn als Fundort erwähnt. Nachdem aber die anderen Erwähnungen keine Angaben über den Fundort geben, können wir diese Bezeichnung nicht übernehmen, sondern müssen am unbestimmten Fundort festhalten. 2 6 Die Inschrift am Griff ist keine nachträgliche Einritzung, wie auf der Kasserolle von Schwechat. Wir können ein Votivgeschenk annehmen, aber auch so, als eine Gabe des Erzeugers. J. Henzen, Bulletino dell' Instituto 1859, 228; J. Bergh, ebendort 229; Th. Mommsen, CIL III 6017, 9. 2 7 Meistens werden die Bronze und Silbergefässformen ganz separat behandelt. Die eben hier befasste Gruppe beweist wie die Formen zusammenhängen. Auffallende Analogien werden wir auch dann finden, wenn wir die Verzierungselemente analisieren. Endlich kommen wir bei Vergleichen der Formen und der Verzierungselemente näher zu den spezifischen Eigenarten der Werkstätten und Produktionszentren. In dieser vergleichenden Arbeit vermissen wir leider die Veröffentlichung der Metallgefässe von italischen und gallischen Fundorten. 2 8 Tischgeräte sind die in Pompeji aufgehobenen Silberfunde (A. Héron de Villefosse, Le trésor de Boscoreale. Monuments et mémoirs Piot 5, 1899; A. Maiuri, La casa del Menandro e il suo tesoro di argenteria 1932), Votivgegenstände sind ausser den vielen dedizierten gallischen Gefässen, der Schatz von Berthouville (E. Babelon, Le trésor d'argenterie de Berthouville 1916). Nach neuer Beobachtung wurden die Griffpateren der silbernen Tischgeräte in der Küche verwendet, weil—man an diesen die Spuren des Feuers erkennt (A. Maiuri, а. O. 354; gegenüber der früheren Ansicht von A. Héron de Villefosse, а. O. 249 ff).