Folia archeologica 1-2.
László Gyula: Egy régensburgi vállkő
KöSíYVÍSMERTETÉSEK— BIBLIOGRAPHIE 231 Gyula Moravcsik, DIE HEILIGE UNGARISCHE KRONE VOM STANDPUNKT DER PHILOLOGISCHEN UND HISTORISCHEN FORSCHUNGEN Festschrift des heiligen Stephans, IL Budapest, 1938. S. 425 uff. In dem ersten Teil seiner Studie wiederholt der Autor die Ergebnisse seiner Studie «Die griechischen Inschriften der heiligen ungarischen Krone», erscheinen in der Ausgabe der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Abhandlungen aus der philologischen und schönwissenschaftlichen Klasse, XXV. 5. Budapest 1935). Nach einem kurzen Überblick über die Literatur der Stephanskrone beschreibt er die Platten des byzantinischen Diadems und vertieft sich in die epigraphische Analyse der Inschriften. Die mit dem Inschriften aufgetauchten Probleme stellt er in volles Licht und löst sie mit scharfer wissenschaftlicher Beweisführung. Interessant ist die Feststellung, dass die Inschrift in roter Farbe auf dem Emailplättchen des Kaisers scheinbar eine Nachahmung der Unterschrift des Kaisers mit roter Tinte sei, wie sie aus byzantinischen Urkunden bekannt ist, d. h. die roten Buchstaben mögen den offiziellen Charakter des kaiserlichen Namens gegenüber den anderen Aufschriften in blauer Farbe noch hervorheben. Autor führt Beispiele dafür an, dass diese Inschrift auch terminologisch den offiziellen kaiserlichen Unterschriften entspreche. Er vertieft sich weiter in die Frage, welcher von den beiden Porphyrogennetos — der jüngere Bruder oder der Sohn des Kaisers — auf dem Plättchen von Konstantinos Porphyrogennetos dargestellt sei. Keine der Quellen erwähnt, dass der jüngere Bruder des Kaisers Mitregent von Michael Dukas gewesen sei, obwohl das mit grosser Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf. Seinen Sohn Konstantinos Hess der Kaiser gleich nach der Geburt im Jahre 1074 krönen und schon in der Wiege führt dieser den Titel Basileos. Der Autor meint, es handle sich eher um das Bild des Knaben Konstantinos; dass er als erwachsener junger Mann dargstellt ist, schliesst die Richtigkeit dieser Annahme nicht aus, weil die byzantinischen Kaiserporträts stets idealisierte Darstellungen sind, bei denen das Alter keine Rolle spielt. Dies können wir auch auf der Monomachos-Krone beobachten: die sechzigjährige Zoé ist als blühendes junges Weib dargestellt. Wenn nun tatsächlich Konstantinos, der Sohn des Kaisers auf dem Plättchen abgebildet ist, so der 1. April 1074 ein «terminus post quem» hinsichtlich der Datierung der Krone. Das bedeutendste Ergebnis der Studie ist die neue Lesart der Buchstaben J~C der Inschrift auf dem Emailbild unseres Königs Géza, die bis jetzt als die Kürzung des Wortes «despotes» aufgefasst wurden (der erste und letzte Buchstabe mit dem Kürzungszeichen darüber). Autor weist nach, dass eine solche Kürzung des Wortes «despotes» in der byzantinischen Epigraphie unbekannt sei. Er stellt weiter fest, dass der Buchstabe z/ nicht D sondern A sei. Zu diesem Ergebnis gelangt er auf Grund der Vergleiche mit anderen ähnlichen Buchstaben der Inschrift. In diesem Fall muss daher anstatt der früheren Lesart z/C — AC gelesen werden, der Strich über den Buchstaben ist daher nicht Kürzungs- sondern Betonungszeichen. Die Buchstaben AC (as) nach dem Namen Geobitz (Géza) bedeuten daher nicht despotes; sie stellen die griechische Endung des fremden Personennamens dar, wonach also der Name Géza als Geobitzas zu lesen ist. Autor kennt die Krone aus Autopsie und seine Untersuchungen sprechen für die Richtigkeit dieser Annahmen. Dass die Byzantiner die fremden Personennamen mit griechischen Endungen gebrauchten, dafür besitzen wir zahlreiche Beispiele. Neben diesen epigraphischen Beweisen führt Autor auch historische an: der Titel despotes (Herr, dominus) war im 11. Jahrhundert ausschliesslich für den Kaiser vorbehalten und erst im 12. Jahrhundert, zur Zeit des Kaiser Manuel, wurden Verwandte des Kaisers, Landesstatthalter usw. so betitelt. Seit dem 12. Jahrhundert wurde vom Kaiser der Titel despotes höheren Würdenträgern immer häufiger verliehen, somit konnte unser König Géza den Titel despotes im 11. Jahrhundert vom Kaiser nicht erhalten haben. Autor studiert weiter eingehend den historischen Hintergrund der Dukas-Krone und rückt das Verhältnis unseres Königs Géza zum Kaiser Michael in ein neues Licht. Byzanz war in dieser Zeit sowohl im Osten als auch im Norden vom Angriff der Petschenegen, Bulgaren und Seldsuk-Türken bedroht, weshalb der Kaiser eine westliche Orientierungspolitik verfolgte, die Freundschaft mit dem Papst und dem König Géza ansterbte. Géza zeichnete sich noch als Prinz in den Kämpfen Salamons bei Belgrad als griechenfreundlicher Führer aus. Als er zur Herrschaft gelangte — im Gegensatz zur deutsch-römischen Orientierung des König Salamon — konnte er sich natürlicherweise auf die Freundschaft des byzantinischen Kaisers stützen und heiratete sogar Synadene, die Nichte des Kaisers Nicephoros Botaniates. Autor vermutet, dass er wahrscheinlich bei diesem Anlass die Krone aus Byzanz erhalten habe. Unsere Meinung geht dahin, dass dieses Problem noch nicht als gelöst betrachtet werden kann, weil die mit einem strahlenförmigen Giebelaufsatz versehenen Kronen von Kaiserinnen getragen wurden. Die Frage drängt sich auf, ob der untere Teil der StephansKrone nicht vielleicht die Krone der Königin Synadene gewesen sei? Es ist unwahrscheinlich, wäre wenigstens merkwürdig, dass der König Géza eine Krone mit seinem eigenen Bild getragen habe, wir besitzen aber in Byzanz zahlreiche Beispiele dafür, dass die Kaiserin das Bild (gewebt, gestickt) ihres Mannes am Kleide trug. Welche Bedeutung hat nun die Anordung der Bilder? Den Hauptplatz nimmt natürlich das Bild des Pantokrator ein, an zweiter Stelle ist das Bild des Kaisers, des irdischen Statthalters Christi; als in Rang und Würde ihm untergeordnet und als Herrscher eines fremden Volkes ist das Bild des Königs Géza darunter angebracht. Das bedeutet natürlich keine byzantinische Souverenität über Ungarn, schon deshalb nicht, weil Géza mit seinen sämtlichen Machtinsignien dargestellt ist, mit Krone, Schwert und dem apostolischen Kreuz mit ge-