Evangélikus Naptár, 1992

ÉVFORDULÓK, EMLÉKEZÉSEK - Aus Tim Klein: Luther: BEGEGNUNG

BEGEGNUNG Luther ritt von der Wartburg in den Frühlingsmorgen des 1. März des Jahres 1521 hinein. Von einem Reitknecht begleitet, trabte er Jena zu. Hier stieg er im „Schwarzen Bären“ ab. Von einer Begegnung mit zwei Schweizer Studenten haben wir eingehen­den Bericht. Sie hatten im selben Gasthaus Quartier gefunden. Der Student Kessler, der spätere Reformator von St. Gallen, gibt in seiner Chronik ein anziehendes Bild von Luthers Haltung, Gebärde und Gespräch. Der Junker Jörg sitzt an einem Tisch allein, mit einem Buch vor sich. Er grüsst die jungen Leute freudlich und lädt sie an seinen Tisch. „Wir meinten nicht anders, als dass er ein Reiter war, der nach der Gewohnheit des Landes da sass in einem roten Schläpli, in blossen Hosen und Wams, ein Schwert an der Seite, mit der rechten Hand des Schwertes Knopf, mit der anderen das Heft umfangend.“ Die Studenten wollen nach Wittenberg. Sie fragen ihn, ob Luther dort sei. „Ich hab gewissen Bericht“, antwortete Luther, „dass der Luther derzeit nicht in Wittenberg ist. Er soll aber bald dahin kommen. Philipp Melanchthon aber ist da.“ Die Studenten wollen Priester werden und haben nun gehört, dass Luther das Priestertum abschaffen wolle. Luther erkundigt sich nach Erasmus von Rotter­dam. Sie wissen nicht viel, „weil er sich ganz still und heimlich hält.“ Der Reitersmann fragt was man von Luther in der Schweiz hält. Antwort: „Etlich preisen ihn als den Offenbarer der Wahrheit, etliche verdammen ihn, als einen unleidlichen Ketzer.“ Junker Jörg geht hinaus. Da kommt der Wirt. Sie fragen ihn nach Luther. „Liebe Gesellen! Es wäre euch gelungen, ihn zu sehen, wenn ihr vor zwei Tagen hier gewesen wäret, denn hier, denn hier, an diesem Tisch ist er gesessen“, und zeigt mit dem Finger auf den Platz. Die Studenten freuen sich, dass sie wenigstens in dem Haus sind, wo Luther eingekehrt ist. Der Wirt lacht und geht hinaus. Der Erzähler folgt ihm, unruhig, was er wohl Ungeschicktes gesagt habe. Da spricht der Wirt: „Weil ich euch in Treuen erkenne, dass ihr den Luther zu sehen und zu hören begehrt — der ists, der bei euch sitzt.“ Die Studenten glauben ihm nicht und meinen, der Ritter sei Hutten. Da kommen zwei Kaufleute. In einem Bündel haben sie ein ungebundenes Büchlein. Der Junker frägt, was das für ein Buch wäre. Der eine Kaufmann antwor­tet: „Es ist Doktor Luthers Auslegung etlicher Evangelien und Episteln, erst neu gedruckt und ausgegangen.“ Da sagt der Junker: „Sie sollen mir auch bald werden.“ Er lädt auch die Kaufleute an den Tisch und spricht sehr ernst über Luthers Sache. Der ältere Kaufmann lässt sich vernehmen: „Ich bin ein einfältiger, schlichter Laie und verstehe mich nicht besonders auf die Händel das aber sage ich: wie mich die Sache ansieht, so muss der Luther entweder ein Engel vom Himmel sein, oder ein Teufel aus der Hölle.“ Die Kaufleute gehen und die Studenten lassen merken, dass sie ihn für Ulrich von Hutten halten. „Ich bin es nicht.“ Der Wirt kommt wieder und der Junker ruft ihm zu: „Ich bin über Nacht zu einem Edelmann geworden, denn diese Schweizer halten mich für Ulrich von Hutten.“ Der Wirt: „Ihr seid es nicht, aber 5 65

Next

/
Thumbnails
Contents