Csepregi Zoltán: Magyar pietizmus 1700-1756. Tanulmány és forrásgyűjtemény a dunántúli pietizmus történetéhez. Budapest 2000. (Adattár XVI-XVIII. századi szellemi mozgalmaink történetéhez 36.)
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öffentlichen disputádon solte hören laßen, ob er ein so genandter pietist oder ortodoxé sey. 3 Wie es ferner ergehen werde, wird die zeit lehren; der Herr schencke uns in unserm vaterlande Wahrheit liebende und einträchtige gemüther, zum genuß der himlischen und ewigen seeligkeit mit ihm durch Jesum Christum, den Hertzog des lebens. Wie sehr aber der himlische Vater zum zorn von den häuflein der lutherischen kirche gereitzet werden müße, mag man auf Seiten der glieder dieser kirche daher abnehmen, daß da die gegner tag und nacht sinnen, wie sie mit uns den garaus spielen mögen, sie demohngeachtet mit Verfolgung unter sich täglich fleißiger sich beweisen und sich damit den weg zum verderben bahnen; auf seiten Gottes siehet man, wie er den kern der tüchtigen zum bau des reiches Christi nach und nach entziehet, dadurch das leibliche übel auch mit häufen einkehret, als höchste armuth, vielerley ungewöhnliche kranckheiten, frühzeitiger tod der bürger, da die jungen weiber zu wittwen und ihre kinder zu waysen werden und auch in solchem stände bleiben müßen, weil kein fremder zum bürgerrecht mehr gelanget, und viele lands-kinder ihre professionen außer ihrem vaterlande zu treiben suchen. Aber wer glaubet dieser Predigt, und wem wird der arm des Herrn offenbahret. Diese trübsaalen kommen gewiß daher, daß man solche hirten hat, die ohne liebe Christi und des nächsten das ihre suchen und anderer geistliches und leibliches Unglück sich nicht zu hertzen gehen laßen. Man läßt die leute freßen, saufen, szielen, [?] dantzen, pracht treiben, diejenigen, welche zu geistlichen Unterredungen zu sammen kommen, dern noch wenige sind, und solche gemeine Sünden und unerkandliche leibes- und seelen-verderbliche laster meiden, schildt man öffentlich vor heuchler, drohet ihnen mit anklagung bey denen gegnern. Dadurch werden die boshaften zu ihrem schaden in der sünde gestärcket und geübet; die, welche mehr licht haben, werden schüchtern, lau und träge gemacht. Das ist der zustand der evangelischen in Ungarn, unsern ort nicht aus genommen. Ich hätte mir zu dem ende gewünschet, wenn Ungern lange wieder hätte verlaßen können; zumahlen die meisten lehrer tag und stunde zehlen, wenn ein solcher sein vaterland verläßt, der ihre abwege misbilliget. Indeßen bin noch immer von einigen aufgehalten worden, die ein deutlicheres licht von der Wahrheit haben und wollen, ich solte Ungern nicht eher verlaßen, bis Gott seinen willen an mir durch einen öffentlichen beruf hinaus bestätiget. Hierbey aber ist große Weisheit und kraft Gottes nöthig, zu erkennen, was sein wille ist. Weßwegen mir dazu aller in der Wahrheit erleuhteten [!], insbesondere Ew. Hochedl. gebeth gehorsamst ausbitte, nebst dem, daß dieselben mir Dero güttiges urtheil davon, so es Dero geschäfte leiden, kürtzlich anzuzeigen geruheten. Denn wo es der Herr nach seiner Weisheit fügen solte, mir einen ort durch die wehrten freunde Christi anrathen und bestimmen, so würden gutte freunde so wohl in Wien als hier kein bedencken tragen, mich, ohne sie an der liebe zu verletzen, dahin freywillig gehen zu lassen. Sölten aber dieselben es vor nöthiges erachten, noch länger in Ungern zu verbleiben, so will mir auch daßelbe gefallen laßen, in hoffnung, daß der Herr durch seine freunde solches befehle. Denn das halte ich für einen wahrhaftig göttlichen ruff, welcher nach dem exempel Christi und der apostel unter hertzlichen gebeth zu Gott geschiehet, von welcher art Ungerland nichts weis. Übrigens wolle der segens Herr denenselben alle wege wohl thun und mit seiner güthe täglich erquicken und stärcken. J. Mich. Fischer