Szabó Géza: Geschichte des ungarischen Coetus an der Universität Wittenberg 1555–1613. Halle 1941.

Die Ungarn an der Universität Wittenberg im XVI. Jahrhundert - II. Blüte des Coetus - 7. Das wissenschaftliche Leben des Coetus - Die vier Vorträge

Diese Vorträge sind wertvolle und typische Doku­mente des akademischen Geistes des XVI. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt dieser Werke steht die aristotelische und scholastische Philosophie. Dementsprechend sind die Zitate aus klassischen Denkern (Plutarch, Socrates, Aristoteles, Plato, Cicero, Vergil, Seneca usw.) hier weit zahlreicher, als die der Heiligen Schrift. In diesen Reden ergänzen Gedanken der vorchristlichen Zeit harmonisch, wenn auch wenig tief oder originell, die christliche Weltanschauung. Diese vier Vorträge wurden also im Coetus gehalten. Neben diesen genau nachweisbaren Reden haben wir auch einen Vortrag, von dem man nicht genau feststellen kann, wo er gehalten wurde: idem de universo iudicandum, quod de homine scriptura nobis tradit: qui, ut omnium calculo comprobatur, ad similitudinem mundi non aliter fabricatus est, quam mundus hic sensibilis ad exemplar mundi intellectualis, unde et parvi sive tertii mundi appellationem sortitus est . . Der Mensch wurde weiterhin „ad imaginem sive similitudinem Dei täctus“. Das verpflichtet ihn „animum expurgan­dum esse Omnibus impuris cogitationibus et actionibus . . .“ „An nescitis, quod templum Dei estis et Spiritus sanctus habitat in vobis?“ Danach erörtert der Redner ausführlich die zwei Elemente der physi­schen Welt: die materia und die diese materia umfassende forma. Die letztere führt uns weiter in die Welt der spirituales substantiae, in das Metaphysische. Hier beschäftigt sich der Vortragende weit­gehend mit dem Wesen Gottes. Er widerlegt die Behauptung, Gott wäre keine reine Spirilualilät. Diese Spiritualität hat alles geschaffen. Gott ist aber nicht nur der Schöpfer, sondern auch der das Universum regierende Geist und der erlösende Sohn in einem: „. . . Hunc itaque Patrem, Filium et Spiritum amatorium, tres personas Theo­logi vocant recentes, naturae omnino eiusdem, unicum nempe et simplissimum Deum, sed relatione quadam incogitabili, incomprehen­sibili ineffabilique inter se differentes . . .“ Die Rede wird mit den Worten geschlossen: „Huic soli Deo, qui spiritu suo sancto mentes nostras illuminare nosque ad sui cognitionem in Filio suo perducere dignatus est, sit laus et gloria et honor in omni aeternitate, Amen.“ Auch dieser Vortrag, der 42 unnumerierte Seiten umfaßt, ist theologischer Natur, obwohl ihm ganz deutlich die Philosophie des Aristoteles zu Grunde liegt. 70

Next

/
Thumbnails
Contents