Szabó Géza: Geschichte des ungarischen Coetus an der Universität Wittenberg 1555–1613. Halle 1941.
Die Ungarn an der Universität Wittenberg im XVI. Jahrhundert - III. Verfall und Auflösung des Coetus - 10. Der Ursprung des ungarischen Calvinismus - Wittenberg und der Ursprung des ungarischen Calvinismus
Melanchthon mit dem Genfer nicht überein30). Neben der lutherischen Lehre: sola fide iustificamur, betonte er stets einen gewissen Synergismus. Melanchthon ist also zwar weder Calvinist, noch „Kryptocalvinist“, jedoch auch kein strenger Lutheraner. Sein Humanismus und sein ausgleichender Geist konnten keine reformatorische Richtung verdammen oder als Ketzerei bezeichnen; ebensowenig konnte er sich vorbehaltlos auf die eine oder die andere Seite stellen. Vergebens bat ihn am 1. 12. 1555 ein Freund, Johann Stigelius, ein streng lutherischer Professor aus Jena, die calvinistischen Lehren zu bekämpfen31); vergebens wandten sich des öfteren Ungarn, die in den entscheidenden theologischen Fragen Zweifel hatten32), an ihn; er wollte nicht entschieden Stellung nehmen. Dieser ausgleichende Charakter kennzeichnet seine ganze Theologie und seine theologische Richtung, den Philippismus. Nach dem Tode Melanchthons lebte dieser theologische Geist in seinen Nachfolgern33) an der Universität Wittenberg nicht nur weiter, sondern er wurde immer stärker. Sie nahmen die Verbindung mit den pfälzischen calvinistischen Theologen öffentlich auf34), gingen aber niemals zu den Calvinisten über. Auch diese Nachfolger Melanchthons waren keine Calvinisten oder „Krypto- calvinisten“, höchstens — jedoch nur mit strengem Vorbehalt — „calvinisierende Theologen35 * * 38“. 30) Corp. Ref. Bd. XXI. 330, 912—920. Siehe die Lit. bei Schottenloher Bd. II. Nr. 15439. 31) Corp. Ref. Bd. VIII. Nr. 5883. 32) Corp. Ref. Bd. VIII. Nr. 5673. J. Zoványi: A reformáció Magyarországon 1565-ig (Die Reformation in Ungarn bis 1565) Budapest. 1921. 313—314. 33) Caspar Peuzer, Caspar Cruciger, Georg Major, Heinrich Möller, Christoph Pezel usw. V(J. C. Erdmann: Lebensbeschreibungen und literarische Nachrichten von den Wittenbergschen Theologen . . . Wittenberg. 1804). Si) H. Leube: Calvinismus und Luthertum im Zeitalter der Orthodoxie. Leipzig. 1928. 16. 38) Ebenda. 100