Esztergom Évlapjai 1979
Dr. Csiffáry Nándor: Martsa Alajos emlékére
Horváth István: EIN NEUERES FRAGMENT DES HAUPTTORES DER KATHEDRALE IN ESZTERGOM Esztergom war eine der bedeutendsten Städte im mittelalterlichen Ungarn. Die Stadt war bis zum Anfang des XIII. Jahrhunderts Sitz der ungarischen Könige aus dem Hause der Árpádén. Sie galt damals nicht nur als politisches und wirtschaftliches Zentrum des Landes, sondern war zugleich auch Mittelpunkt des königlichen Hofes und durch das vom König Stephan I. gegründete Erzbischofstum ein künstlerisches und kulturelles Zentrum, das nicht nur im ganzen Lande, spndern zeitweise auch in Europa hochgeschätzt wurde und allgemein bekannt war. Um 1010 begann der König Stephan I. zu Ehren des Hl. Adalbert auf dem Burgberg eine Basilika zu bauen. Diese alte Kirche brannte am Anfang des XII. Jahrhunderts ab, sie wurde aber vom König Béla III. (1172—1196) und von dem Erzbischof Job (1185—1203) wieder aufgebaut. Damals errichtete man an der westlichen Front das Haupttor, auch Porta Speciosa genannt. In den späteren Jahren hat man die Kirche öfters umgebaut und erweitert; im Zeitalter der Türkenkriege wurde sie fast völlig zu Ruinen, deren Reste man im XVIII —XIX. Jahrhundert abgerissen hat. Auch auf das Haupttor, von dem wir ein Ölgemälde aus der Mitte des XVIII. Jahrhunderts besitzen und eine ausführliche Beschreibung haben, wartete dasselbe Schicksal. Der Beschreibung nach wurde das dreiteilige Tor aus weissem und rotem Marmor hergestellt, mit farbigen Marmorinkrustationen, Säulen und Skulpturen geziert. Beim Bau der neuen Basilika konnte man im XIX. Jahrhundert nur mehr einige Fragmente bergen und aufbewahren — einen grossen Teil der kunstvoll gemeisselten Steine hat man bis dahin in der Stadt bei verschiedenen Bauten verbraucht. 1977 kam beim Abreissen eines Weinkellers aus dem XIX. Jahrhundert ein gemeisselter Mamorstein zum Vorschein, von dem man später feststellte, dass es sich um den Schlussstein des äusseren Bogens des Hauptores (Porta Speciosa) handelt. Auf Grund der Fragmente und laut des Ölgemäldes aus dem XVIII. Jahrhundert, bzw. der handschriftlichen Quellen ist der Stein am unteren Teil mit einer Hand, die den Segen erteilt (Dextra Domini), an der Vorderfläche mit der Darstellung vom Lamm Gottes (Agnus Dei) zu ergänzen. Der neulich zum Vorschein gekommene Stein übermittelt uns wichtige Informationen zur Ikonographie der Darstellungen des Haupttores. 190