Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Die Tänzer am Wiener Hofe gnädigste Befehle außbittete ein solches Subjectum außzusehen, welches entwed. in der Kunst sehr beruhen wäre, oder aber sattsambe Proben der Besitzenden fähigkeit von sich geben könte“. Der Obersthofmeister vertritt zwar die Auffassung, daß sich die beiden ältesten Hoftänzer Franz Lang und Andreas Riegler mit mehr Recht als die jüngeren Hof- und ausländischen Tänzer um die Stelle bewerben könnten, schließt sich aber dennoch dem Gutachten des Hofmusikdirektors an, weil „in derley fählen, wo die habilität= und wissenschafft erfordert wird, mehrer auf! diese, dan den habenden Räng zu reflectiren körnet, der Alexander Phillebois auch mitels seiner 24. Jährigen Ballets= Compositionen sich wegen der Hoff=Tantzmeister Stelle wohl meritirt gemacht zu haben scheinet“. Placet des Kaisers. Alexander Philebois wird mit 25. Februar 1733 zum kaiserlichen Hoftanzmeister und ersten Ballettkomponisten ernannt, wobei seine bisherige Besoldung mit 1500 Gulden jährlich unverändert bleibt. OMeA 31 unfol. und OMeA Prot. 15 fol. 50v - 54r (1735 Juli 8, Referat mit Resolution, Nr. 2; Reilage: präs. 1735 Juni 1, Bittgesuch des Alexander Philebois d. Ä.) : Bittgesuch um die Stelle des verstorbenen Hoftänzers Franz Lang yon Langenau für seine ältere Tochter Maria Anna, „pro motivis darstellend: daß Er seihte in Tanzen= vnd verschiedener Exercitien Erlehrnung erzogen, sich aber andurch an mittln also erschöpfet habe, daß Er fehrerhin, Sie mit so Kosterbahrer Unterweisung zu erhalten, ausser Stand gesezet seye“. Der Hofmusikdirektor hält die Tochter des Alexander Philebois als Hoftänzerin für unzureichend qualifiziert und meint, der Kaiser könne „des Vatters dürfftigkeit auf eine andere art, alß das Sie dero aerarium mit einer jährhn Besoldung Beschwären solten, auß allerhöchster Clemenz Succurriren“. Der Obersthofmeister schließt sich dieser Meinung an. Placet des Kaisers. Die zweite große Tänzerfamilie am Wiener Hof neben den Selliers waren die Philebois, deren Oberhaupt Alexander Andreas sich offenbar bei Kaiser Josef I. besonderer Wertschätzung erfreute, weil er mit dem außergewöhnlich hohen Gehalt von 3000 Gulden - wenn auch für sich, seine Frau und seinen Sohn - als wirklicher Hoftänzer engagiert wurde. Diese Besoldung wurde zwar von Kaiser Karl VI. auf die Hälfte reduziert und auch nach der Ernennung von Alexander Philebois zum Hoftanz- meister und ersten Ballettkomponisten im Jahre 1733 nicht mehr verändert, war aber immer noch höher als die seines Vorgängers Simon Pietro della Motta. Alexander Philebois, dessen künstlerische Qualitäten unbestritten waren, setzte sich in der Folge mehrfach für seine Kinder ein und erreichte die Aufnahme seiner Söhne Carl, Alexander und Franz Anton in kaiserliche Dienste, indem er seine eigenen Meriten in die Waagschale warf. Andre(as) Bruno (Vater des Hoftänzers Joseph Bruno), Edelknabenfechtmeistersadjunkt (ab 1705) und Hoftänzer (ab 1710) 61