Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Die Tänzer am Wiener Hofe vertit Favore Religionis in diensten auffgenohmen worden“. Er stehe nach so langer Zeit Finanziell „nicht umb einen Xr besser. . . alß der allerschlechtiste, erst frisch in diensten auffnehmende allerjüngste Tantzer Scholar, da Er doch unter denen würck- lichen Hoff=Tantzem dermahlen in d. ordnung schon der dritte ist, vnd nicht allein der Erste Hoff=Tantzer Frantz Lang 600, und der änderte, immediaté vor seiner stehende Peter Rigler, sondern auch der Jhme gleich auff den fuß nachfolgende vierte Hoff=- Tantzer Joseph Selliers jeder 500 fl., ja gar der 5. te Andreas Bruno 400 fl., der 6. te Alexander Phillebois aber für sich, sein Weib= vnd Kinder gar 1500 fl. jährbr Besoldung geniessen, mithin es Jhme Billig sehr schmertz= und empfindlich fallen muß nach schon 50. jährig, diensten zu sehen, daß Er nicht im mindesten besser alß der jüngste Scholar Consideriret seyn solle“. Placet des Kaisers. OMeA 29 unfol. und OMeA Prot. 14 fol. 52r - 57v (1733 Februar 18, Referat mit Resolution, Nr. 4; Beilagen: präs. 1732 Dezember 17, Bittgesuch des Tobias Gumpenhuber; präs. 1733 Januar 2, Lit. B, Gutachten des Hofmusikdirektors): Bittgesuch um die Hoftanzmeistersstelle nach dem Tod des Simon Peter della Motta unter Verweis auf seine 15jährigen Dienste als Edelknabentanzmeister der Kaiserin Eleonore Magdalena, seine Tätigkeit als Choreograph bei verschiedensten Hofballetten und seine für den Unterhalt von sechs Kindern unzulängliche Besoldung. Der Hofmusikdirektor rät zur Aufnahme von Alexander Philebois als Hoftanzmeister; die Stelle des „Ball Compositoris“ möge man noch „in Suspenso“ lassen. Obersthofmeister und Kaiser schließen sich dieser Meinung an. Tobias Gumpenhuber wird mit seinem Bittgesuch abgewiesen. Tobias Gumpenhuber hat seine rasche Aufnahme in kaiserliche Dienste nicht nur seinen tänzerischen Fähigkeiten zu verdanken, sondern auch der Tatsache, daß er eigens zum katholischen Glauben übergetreten war und durch den Verlust all seiner Habe auf finanzielle Unterstützung angewiesen war. Während seiner langjährigen Dienste am Wiener Hof produzierte er sich als Solotänzer, aber auch als Choreograph, Edelknabentanzmeister der Kaiserin Eleonora Magdalena und als Tanzlehrer, was ihm zusätzliche Einnahmen zu seinem bescheidenen Salär von nur 360 Gulden im Jahr einbrachte. Auf diese zusätzlichen Verdienstmöglichkeiten verweist man ihn auch mehrfach bei seinen Bittgesuchen, und erst nach 30jähriger Tätigkeit bei Hof erhält er endlich eine Gehaltserhöhung von 140 Gulden. Carl Emanuel S e 11 i e r (s) (gestorben wahrscheinlich 1718), Hoftänzerscholar (ab 1704) und Hoftänzer (ab 1713) OMeA 12 fol. 363rv und OMeA Prot. 6 fol. 452r - 453r (1704 Oktober 13, Relation mit Resolution); OMeA 12 fol. 363v und OMeA Prot. 6 fol. 452v - 453r (1704 November 1, Bescheid): : 57