Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Die Tänzer am Wiener Hofe OMeA 31 unfol. und OMeA Prot. 15 fol. 132r - 133r (1736 März 3, Referat mit Resolution, Nr. 7; Reilage: präs. 1735 Juni 5, Bittgesuch der Maria Clara della Motta); OMeA Prot. 15 fol. 175v (1736 März 17, Bescheid): Bittgesuch der Maria Clara della Motta, ihr die auf drei Jahre befristeten 150 Gulden in eine Pension auf Lebenszeit umzuwandeln, „vmbwillen Sie mit der allergnädigst ge­willigten Pension p: 200 fl. Bey ihrer obseyenden Mitllofligkeit nicht leben könte“. Der Obersthofmeister zitiert nochmals die bisherigen Pensionen der Tanzmeisterswit­wen Ventura und Appelshofer und meint, man könne der Bittstellerin noch weitere 100 Gulden „ad dies vitae et viduitatis“ gewähren. Placet des Kaisers. Am Beispiel Simon Pietro della Mottas läßt sich wieder der langwierige Weg des hierarchischen Aufrückens vom einfachen Hoftänzer bis zum Hoftanzmeister deutlich beobachten. - Der Verweis seiner Frau darauf, daß er den Raiser kaum jemals mit Gnadengesuchen belästigt habe, trifft, soweit dies aus den vorliegenden Unterlagen hervorgeht, tatsäch­lich zu. Er kommt nur dann mit einem Gesuch um Gehaltsverbesserung ein, wenn sich nach dem Tod eines Tänzers oder Hoftanzmeisters eine Umstrukturierung im tänzerischen Personal bei Hofe ergab. Allerdings dürfte er, unabhängig von seiner offiziellen Besoldung, von Kaiser Josef I. großzügig unterstützt worden sein. Die Gewährung einer Pension für die Witwe eines Hoftanzmeisters war zur Zeit Kaiser Karls VI. bereits Usus; allerdings fiel sie für Maria Clara della Motta geringer aus als in den beiden als Beispiel herangezogenen Fällen der Witwen Domenico Venturas und Claudius Appelshofers. Franz Joseph S e 1 1 i e r (s) (gestorben 1732, Vater des Hoftänzers Jo­seph Selliers), Hoftänzerscholar (ab 1699) und Hoftänzer (ab 1703) OMeA 11 fol. 89rv, OMeA 11 fol. 220r - 221r und OMeA Prot. 5 fol. 779v - 780r (1699 Juli 19, Referat mit Resolution), OMeA 11 fol. 82r - 83r (Entwurf); OMeA 11 fol. 90v - 91r, OMeA 11 fol. 221r und OMeA Prot. 5 fol. 780r - 780v (1699 Oktober 9, Bescheid): Bittgesuch des Franz Joseph Selliers, vormals „auffwartter“ der verwitweten Obersthof­meisterin Fürstin von Dietrichstein, um finanzielle Unterstützung für eine in Paris ge­plante Tanzausbildung, unter Verweis darauf, daß er bereits in verschiedenen Hof­balletten mitgewirkt habe. Der Hoftanzmeister Francesco Torti empfiehlt Selliers, weil er „Capacitet habe“. Der Obersthofmeister rät gleichfalls zu seiner Förderung, „weillen man doch derglei­chen Leüthe vonnöthen hat, auch vielleicht inzwischen, ehe er wid. zuruckh kombt, et­wa ein oder ander von den Tänzern abgehen mögte“. Der Kaiser könnte ihm monatlich 50 Gulden als Beihilfe für seinen Frankreich-Aufenthalt genehmigen. Leopold I. ist damit einverstanden, „obwolen Sonsten dergleichen nit zu vermehren sein“.

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