Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Das Attentat von Sarajevo

71 Textvergleiches41) ist ein bruchstückartiger Entwurf (32 Maschinenseiten) erhalten, der das Datum 11. September 1944 trägt und in dem über die Me­thode des Textvergleiches gesagt wird, das „Nebeneinander des gesamten Protokolls hätte mehr als 3.000 Seiten ergeben und eine Publikation von einem derartigen Umfang wäre äußerst unübersichtlich gewesen. Alle Varianten wurden, um möglichste wissenschaftliche Genauigkeit zu erzielen, noch einmal mit den Originalstenogrammen verglichen, eine Arbeit, zu der sich Herr Dr. Miroslav Zilié, seinerzeit Parlamentsstenograph in Agram und junger Kollege des Dr. Kesteröanek, zur Verfügung stellte.“ Die Forschergruppe 1941-44 stellte ausdrücklich fest, sie befände sich, was die Sarajevoer Protokolle betreffe, in vollkommener Übereinstimmung mit dem Belgrader Archivdirektor, der 1939 schrieb, es sei zu wünschen, daß sich die wahren Originalprotokolle wiederfänden, die dann zur Grundlage einer kritischen serbischen Ausgabe dienen sollten. Es müßten aber auch die Re­konstruktion des Dr. Kestercanek, wie das bekannte Buch von Pharos und ebenso die Wiener und Budapester Presse herangezogen werden. Wenn, so heißt es weiter in dem Vorwort, Voj. Jovanovic die Mousset-Edition nicht erwähnte, so hielt er sie wohl für eine getreue Übersetzung der „Belgrader Abschrift 1925“ ins Französische. Für den Vergleich war Mousset unentbehr­lich, und zwar wegen der Entlehnungen von Pharos. „Nachdem das Princip, nur die Varianten zu bringen und von diesen nur die inhaltli­chen, feststand, mußte für die Arbeit eine Beziehungsgrundlage gewählt werden. Als diese kam der Sachlage nach nur der Moussetsche Text als der einzig veröffentlichte, vollständige und daher dem Benützer zugängliche Text der Protokolle in Frage.“ Die mühselige und mit viel Akribie durchgeführte Arbeit des Textvergleiches brachte manche Detaileinsicht, neue Hinweise auf die politischen Hinter­gründe des Verbrechens ergaben sich kaum. Wertvoll ist der Anmerkungsteil mit abgedruckten Telegrammen der bosnisch-herzegowinischen Landesregie­rung, des Gemeinsamen Finanzministeriums und Notizen aus dem 1938 er­schienenen Buch des Untersuchungsrichters Leon Pfeffer. VIII. Sarajevo 1954: Sarajevski atentat. Izvorne stenografske biljeske sa glavne rasprave protiv Gavrila Principa i drugova, odrzane u Sarajevu 1914 g. - Kriticka Obrada, Uvod i Redakcija: Prof. Vojislav Bogicevic, Direk­tor i nauöni Saradnik [Das Attentat von Sarajevo. Stenographische Original­protokolle der Hauptverhandlung gegen Princip und Genossen, verfaßt zu Sarajevo 1914. Kritische Bearbeitung, Vorwort und Schriftleitung: Prof. Vo­jislav Bogicevic, Direktor und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Staatsar­chivs der Volksrepublik Bosnien und der Herzegowina]. Copyright 1954 by Drzavni arhiv NR BiH Sarajevo. - Vierzig Jahre dauerte es, bis vom Haupt­verhandlungsprotokoll (VP) eine gedruckte Ausgabe erschien, die Anspruch auf annähernde Vollständigkeit und Verläßlichkeit erheben kann. Der Her­ausgeber und Bearbeiter weist darauf hin, daß es sich hier um die ursprüng­41) Identisch mit dem Gutachten (wie Anm. 25).

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