Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Das Attentat von Sarajevo

67 Das könnte ein Hinweis auf P. Hainmerl als Herausgeber der Pharos-Edition sein. P. Nicoll machte sich außerdem Gedanken über das Pseudonym „Pha­ros“ und stellte die Frage, ob dessen Zusammensetzung „nicht eher aus dem Namen ,Pater HAmmeRl FranjO SJ‘ als aus dem Namen Anton Puntigam resultieren könnte“; er erklärte dazu jedoch selbst, daß die Gründe für eine Stichhaltigkeit nicht ausreichten29). Heute ist es allerdings für die Sarajevo­forschung nur von geringer Bedeutung, wer sich hinter dem Pseudonym Pha­ros verbirgt. Die einzige deutschsprachige Edition kann nur zur oberflächli­chen Orientierung herangezogen werden. V. Agram 1925: Jugoslovenstvo sarajevskih atentatora, von Pero Slijepce­vic (in Nova Europa 11 [1925] 489—509). Die erste jugoslawische Veröffent­lichung von Textauszügen, die durch den Belgrader Universitätsprofessor Slijepcevic erfolgte, umfaßte lediglich zwölf Druckseiten. Der Herausgeber führt zwar im Gegensatz zu Pharos die Herkunft seiner Stenogramme an, doch hilft uns das auch nicht weiter. Slijepcevic behauptet, er habe jene Ab­schrift benützt, die für die Kinder Franz Ferdinands angefertigt wurde. Doch wurde für diese (genau genommen für deren Rechtsanwalt Dr. Stritzl) eine Abschrift des Untersuchungs-, nicht des Verhandlungsprotokolls angefertigt. Es ist nicht anzunehmen, daß der Belgrader Professor diese beiden Proto­kolle verwechselte. Über ihre Herkunft gab er nach 1934 die Auskunft, das Exemplar, welches er benützte, habe ihm hebenswürdigerweise ein höherer Beamter der Landesbahn in Sarajevo, Herr Aco Poljanic, zur Verfügung ge­stellt. Man vermutet, kann es aber nicht beweisen, daß Slijepcevic das Pres­sestenogramm des Babilic, Gerichtssaalberichterstatters des Hrvatski dnev- nik, benützen konnte. In der Beurteilung dieser Veröffentlichung bestehen keine Differenzen; so schreibt Prof. Voj. Bogicevic (siehe Nr. VHI): ,Beim gewissenhaften Vergleich dieser Auszüge mit andern Texten stellten wir fest, daß sie auch nur einen integrierenden Teil des stenographischen Protokolles bilden, die Prof. Pharos veröffentlicht hat.' Die Forschergruppe kam zu der Auffassung: „Fest steht nur, daß beide Texte, die von Pharos und Slijepöevic, sehr getreue Wieder­gaben der gleichen Quelle sind, daran kann nicht der geringste Zweifel bestehen, ... die verschiedene Gesinnung der Herausgeber hat sich nur - mit dem Rampenlicht der Fußnoten verschiedenartig beleuchtet - einmal mit den Strahlen nationalen Triumphes erhellt, das anderemal mit dem Dunkel der Weltkatastrophe überschattet.“ Geringfügige Einfügungen im Slijepcevic-Text stammen aus anderen Quel­len; welche Quellen das sind, ist heute umstritten. VI. Paris 1930: Un dramme historique: L’Attentat de Sarajevo. Par Albert Mousset. Documents inédits et texte intrégral des sténogrammes du proces (Edition Payot, 686 Seiten). — Die Ankündigung — bisher imveröffentlichte und vollständige Stenogramme - verspricht Authentizität und Seriosität. 29) Nicoll Anton Puntigam 165. 5*

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