Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)
Das Attentat von Sarajevo
59 prüfte den „Offiziellen Text“ und die „Belgrader Abschrift 1925“ und kam zu folgendem Ergebnis: „Diese Abschrift erweist sich bei Stichproben als eine genaue Kopie der .Offiziellen Protokolle“, deren Treue gegenüber dem Original sich sogar weitgehend auf die äußere Form, wie Absätze, Einrichtungen u. s. w. erstreckt, ja bis zu Tippfehlem geht, von der Beibehaltung der falsch gesetzten Komma gar nicht zu reden“10). Damit ist diese Belgrader Abschrift von beiden Seiten beglaubigt, vom Hauptarchivar Jovanovic und von der Forschergruppe in Wien. Auch im Zweiten Weltkrieg dachte niemand an die Herausgabe des Verhandlungsprotokolls, weder an die des Textes aus dem Jahre 1914, noch an die der Abschrift 1925. Nach dem Krieg kam letztere nach Belgrad zurück, der Text 1914 fand sich nicht mehr, wobei nicht feststeht, wo er verloren ging11). Die Drucklegung der Abschrift 1925 erfolgte vierzig Jahre nach der Hauptverhandlung 12). DIE VERÖFFENTLICHUNGEN DES VERHANDLUNGSPROTOKOLLS Acht Veröffentlichungen sollen hier auf ihre Authentizität und Vollständigkeit geprüft werden. Ihre Aufzählung erfolgt chronologisch unter Angabe ihres Erscheinungs- beziehungsweise Ausgabeortes. I. Sarajevo — Wien 1914, Sarajevo 1954: Die Kommuniqués, 22 Telegramme im Gesamtumfang von 36 Druckseiten an das Gemeinsame Finanzministerium in Wien, täglich nach Beendigung der Verhandlung zusammengestellt und redigiert durch den Senatspräsidenten des Obergerichtes in Sarajevo, Ladislaus Ritter von Chmielewski, nach den Urdiktaten der Gerichtsstenographen Dr. Kestercanek und Milan Prbic. Sie wurden dann - ob neuerdings gekürzt oder nicht, steht nicht fest — als Pressekommuniqués ausgegeben. Die deutschen Originaltexte sind als Anhang (S. 407—443) zu dem Buch Sara- jevski Atentat von Vojislav Bogicevic (siehe S. 71, VHI) erschienen. Der Herausgeber nennt sie „amtliche Berichte“ und bemerkt dazu im Vorwort seines Buches: ses und andere Bestände als Kriegsbeute nach Wien gebracht. Gleichzeitig holte man auch die 1925 entführten und dann der Öffentlichkeit vorenthaltenen Dokumente des Wiener „Bosnischen Archivs“ zurück, darunter auch den „Offiziellen Text 1914“ und die „Belgrader Abschrift 1925“. In der Folge erhielt eine Wiener Forschergruppe den Auftrag, das Aktenmaterial zu bearbeiten. Der Gruppe gehörten Ludwig Bittner, Alois Hajek, Hanns Uebersberger und andere an (siehe unten S. 110-121). 10) Aufzeichnungen der Forschergruppe: Abschriften im SAA. “) Vorwort zu VP. 12) Siehe unten S. 71 ff.