Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Umstrittene Dokumente

118 Braunias selbst brachte einen längeren Situationsbericht99 *) und bezog sich dabei auf Bittners detailliertes Arbeitsprogramm vom 24. September 19421°°) Dieses wieder enthielt neben Einzelheiten der Planung und diversen Kostenvoranschlägen auch Bittners Absicht, dem erschienenen achtbändigen Werk (ÖUA) das Aktenwerk Serbiens Außenpolitik 1908-1918 gegenüber­zustellen, das fünf Bände mit einem Umfang von 4.500-5.000 Seiten haben sollte. Gleichzeitig schlug Bittner Veröffentlichungen aus Gesandtschaftsar­chiven, aus Beständen des „Bosnischen Archivs“, der bosnisch-herzegowini- schen Landesregierung in Sarajevo, ferner aus den Prozeßprotokollen von Sarajevo und Saloniki vor. Über die Akten des serbischen Außenministe­riums bemerkte Bittner, die Bearbeitung sei durch die „furchtbare Unord­nung“, in der sie übernommen wurden, sehr erschwert. Uebersberger habe einen großen Teil des Jahrganges 1914 bereits durchgesehen und die in Be­tracht kommenden Dokumente ausgewählt. Die Dokumente aus dem Jahre 1908 habe Hajek bearbeitet und wende sich jetzt dem Jahre 1909 zu. Als Übersetzer habe man mehrere Damen und Herren herangezogen, so den ehemaligen österreichischen Gesandten in Belgrad, Dr. Hermann Ploennies, den früheren Generalkonsul Hannibal Leschanofsky, den Generalkonsul Ju­lius Ledinegg und die Dozentin der Universität Berlin, Dr. Hedwig Uebers- berger-Fleischhacker. Auch der ehemalige Hofrat der Kabinettskanzlei Dr. Cyrill Kirigin von Mardegani wird unter den Übersetzern genannt. Die Bear­beitung und Druckfertigmachung der übersetzten Dokumente übernahm Dr. Bittner selbst, über die Methode bemerkte er in seinem Septemberbericht101): „Es wurde angestrebt, unter Anwendung der von der neuen historischen Hilfswissen­schaft, der Aktenkunde, erschlossenen Methoden durch Heranziehung [der] vorhande­nen Geschäftstagebücher, Ermittlung der Handschriften der beteiligten serbischen Be­amten (auf Grund der in verschiedenen Faszikeln erliegenden Originaleingaben), durch Berücksichtigung aller Amtsvermerke und sonstigen inneren und äußeren Merkmale den Quellenwert der einzelnen Aktenstücke klarzustellen und ein möglichst getreues Bild des Geschäftsganges und der Willensbildung der außenpolitischen Führung des serbischen Staates zu geben, wodurch auch den zu erwartenden Anfechtungen der Echtheit der veröffentlichten Dokumente am besten entgegengetreten werden kann ... von besonders wichtigen Stücken102) wurden auch Lichtbilder angefertigt, die gegebe­nenfalls der Veröffentlichung beigegeben werden können.“ Im Juni 1944 waren alle Akten des serbischen Außenministeriums übersetzt. Darüber berichtete Braunias am 1. Juli103). Er betonte, daß die von den Ser­ben unter der Tarnbezeichnung „Hilander“ (Name eines Athosklosters) abge­legten Dokumente eine wertvolle Ergänzung darstellten, die man mit anderen Akten der Julikrise verglichen und in eine feste Ordnung gebracht habe. Lei­der hätten sich die Arbeiten verzögert, da die Kräfte des Reichsarchivs Wien ") Ebenda E 066993-98. 10°) Ebenda E 066966-84. 101) Wie oben Anm. 100. 102) Später wurden ganze Bestände fotokopiert. 103) AA Bonn PA: Eingangsstempel 1903 Juli 21.

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