Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 2. Die Sektionschefs

376 sich Kabinettsdirektor Schiessl an das Ministerium des Äußeren, um Er­satz zu beschaffen. Dieses schlug Daruváry vor und der Kaiser geneh­migte am 21. September dessen Einberufung in die Kabinettskanzlei und Betrauung mit der zeitweiligen Führung des ungarischen Referates. Nach Königs Tod ernannte Franz Joseph am 7. Dezember 1905 Daruváry zum Kabinettssekretär und Hofrat. Zwei Jahre später, am 2. Dezember 1907, verlieh er ihm den Titel Sektionschef und am 6. Oktober 1910 ernannte er ihn hiezu. Am 1. Mai 1912 wurden seine Verdienste durch die Ernen­nung zum Geheimen Rat ausgezeichnet. Im Dezember 1916 bat Daruváry um seine Versetzung in den Ruhestand, welche Bitte er mit Gesundheits­rücksichten begründete. Nach einer Aufzeichnung des meist gut unterrich­teten Josef Redlich soll diese Bitte durch eine Verstimmung darüber aus­gelöst worden sein, daß Kaiser Karl wohl den Kabinettsdirektor Frei­herrn von Schiessl mit den Brillanten zum Großkreuz des Leopoldsordens, nicht aber auch ihn ausgezeichnet hatte 201). Kabinettsdirektor Graf Pol- zer hinwieder berichtet, daß ihm der Kaiser später erzählt habe, daß Daruváry grundlos um seine Enthebung gebeten habe, meint aber, daß ihn die Tatsache verstimmt haben möge, daß in ungarischen Blättern als Anwärter auf den Posten eines Kabinettsdirektors nicht er, sondern der ungarische Staatssekretär Dr. Kuno Graf Klebeisberg genannt worden sei. Mit Recht bezeichnete Polzer das Ausscheiden Daruvárys, der alle seine ungarischen Kollegen in der Kabinettskanzlei an Fähigkeiten über­traf und mit einem Großteil der ungarischen Gentry verwandt, verschwä­gert und befreundet war, als großen Verlust 202). Am 8. Dezember 1916 bewilligte der Kaiser die Bitte Daruvárys um Versetzung in den Ruhe­stand 203). Géza Freiherr Nagy von Töbör Éthe. Nagy wurde in Mauer bei Wien am 29. Juli 1867 geboren. Er studierte an der Wiener Universität die Rechte und legte in den Jahren 1887 bis 1890 die drei Staatsprüfungen ab. Am 14. Dezember 1889 trat er als Konzeptsprakti­kant in das ungarische Ministerium am allerhöchsten Hoflager, in dem er am 31. März 1892 zum Ministerialvizekonzipisten und am 29. März 1893 zum Ministerialkonzipisten vorrückte. Als 1895 der Kabinetts­konzipist Freiherr von Hahn wegen Kränklichkeit seit längerer Zeit nur mit wiederholten Unterbrechungen Dienst tun konnte und er seit mehre­ren Wochen derart krank war — er erlag seinem Leiden drei Jahre spä­ter —, daß sein Dienstantritt kaum mehr zu erwarten war, schlug Schiessl, da sich seit längerer Zeit das Bedürfnis nach einem ungarischen Beam­ten geltend gemacht hatte, die Einberufung Nagys vor, der eine hervor­ragende Qualifikation aufzuweisen hatte. Franz Joseph ernannte ihn am 201) J. Redlich, Österreichs Schicksalsjahre, Bd. 2, S. 181. 202) Polzer-Hoditz, Kaiser Karl, S. 265. 203) Direktionsakten 9, 12/1905, 18/1907, 15/1910, 21/1911, 11/1912, 25/1916.

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