Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

356 schweren Momenten eine nie versagende Stütze und haben sich einen un­vergänglichen Anspruch auf Meine besondere Erkenntlichkeit erworben. Es ist Mir ein Herzensbedürfnis Ihnen Meine vollste Anerkennung und Meinen wärmsten Dank für all die Meiner Person mit aufopfernder Hin­gebung geleisteten hervorragenden Dienste auszusprechen. Mit dem inni­gen Wunsche, daß die Vorsehung Ihrem an dankenswerther Thätigkeit so reichem Lebensgange noch viele Jahre anreihen möge, versichere Ich Sie Meines unwandelbaren Vertrauens“ 130). Noch etwas mehr als vier Jahre hat die Vorsehung dem verdienten Manne geschenkt; am 4. März 1904 ist er in Aussee im 86. Lebensjahre gestorben l31). D r. Franz (seit 15. 1. 1876 Ritter von, seit 18. 2. 1909 Freiherr) Schiessl von Perstorff. Schiessl wurde am 19. März 1844 als Sohn eines Gastwirtes in Wien geboren. Nachdem er das Akademische Gymnasium in Wien besucht hatte, studierte er 1862 bis 1866 an der Wiener Universität die Rechte und erwarb den Doktor­hut 132). Am 25. April 1869 trat er als Konzeptsaspirant im Ministerium des Äußeren in den Staatsdienst. Am 16. Mai 1870 wurde er zum unbe­soldeten Gesandtschaftsattaché ernannt und, nachdem er die diploma­tische Prüfung bestanden hatte, am 8. Juni dieses Jahres der Gesandt­schaft in St. Petersburg zugeteilt. Am 3. Juli trat er seinen Dienst dort an. Seine dortige Tätigkeit war von kurzer Dauer, 1872 wurde er der Gesandtschaft in Täbris zugeteilt und zum Honorarlegationssekretär er­nannt. Längere Zeit mußte er nun als Geschäftsträger in Teheran wir­ken. Am 8. Jänner 1874 neuerdings der Gesandtschaft in Petersburg zu­gewiesen, trat er dort am 20. Jänner an. Am 20. Oktober 1875 zum besol­deten Attaché ernannt, wurde er am 17. September 1877 der Gesandt­schaft in Athen auf die Dauer der Beurlaubung des dortigen Legations­sekretärs zur aushilfsweisen Dienstleistung beigegeben. Vom 27. Septem­ber dieses Jahres bis zum 28. Jänner 1878 diente er dort; nach Einrücken des Beurlaubten mußte Schiessl zum gleichen Zwecke zur Botschaft in Konstantinopel abgehen, wo er vom 1. Februar an Dienst tat und wohl auf Bitten des Botschafters Grafen Zichy, der ihn als „sehr intelligenten, ge­wandten und besonders eifrigen Beamten“ schätzte, belassen wurde. Am 5. Juli 1879 wurde er wirklicher Legationssekretär. Am 29. Jänner 1882 der Gesandtschaft in Belgrad zugeteilt, nahm er dort am 15. Februar den Dienst auf. Am 28. Mai 1882 wurde er zum wirklichen Honorarlega­tionsrat und am 14. Dezember 1884 zum Legationsrat II. Klasse ernannt. I3(l) B 20 s in Direktionsakt 10/1899. 131) 137 corr., ad 134 corr./1904. 13'-) Archiv der Universität Wien, Nationalia der jur. Fakultät, 1862—1866, vgl. auch Jahrbuch des auswärtigen Dienstes 3. Jg., 1899, S. 246, Frank-Döffe- ring, Altösterr. Adelslexikon Nr. 8191, 8192. Vgl. auch Artur Ernst, der Kabi­nettsdirektor Franz Josephs (Interview) in Neues Wiener Tagblatt Nr. 62 vom 3. 3. 1929.

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