Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

346 begleitete er Kaiser Joseph fast auf all seinen Reisen und hat in dessen Gefolge auch 1778 den Feldzug in Böhmen mitgemacht48). 1792 rückte die Bestellung eines Kabinettsministers ihn in den Hintergrund; dessen 1805 erfolgter Sturz brachte ihn wieder zur Führung des Kabinettes, wenngleich er nicht den Titel eines Kabinettsdirektors führte56). Ende 1811 dürfte Kronenfels in den Ruhestand getreten sein; am 15. Jänner 1812 endete ein Schlaganfall das verdienstliche Leben des Siebenuhdsiebzig- jährigen 57). Franz de Paula Graf von Colloredo-Wallsee, gebo­ren 23. Mai 1736 in Wien, ist von 1763 bis 1772 als Regierungsrat bei der niederösterreichischen Regierung nachweisbar. Am 21. Juni 1772 über­nahm er die Erziehung des Erbprinzen von Toskana Erzherzogs Franz, der am Hofe seines Vaters, des Großherzogs Leopold, in Florenz lebte. Colloredo behielt seine Stellung als Ajo auch bei, als Kaiser Joseph im Sommer 1784 den Erzherzog nach Wien holte, um dessen Erziehung selbst in die Hand zu nehmen58). Als Franz einen eigenen Hofstaat erhielt, wurde Colloredo am 16. November 1787 zu seinem Obersthofmeister er­nannt 59). Kaiser Joseph scheint ihm auch die Würde eines Geheimen Rates verliehen zu haben60). Kaiser Leopold dürfte ihn ebenfalls sehr geschätzt haben, da er ihm am 23. November 1790 den Orden vom Gol­denen Vlies verlieh, was eine außerordentlich seltene Auszeichnung war 61). Colloredo verlor seine Stellung, als Erzherzog Franz nach dem Tode sei­nes Vaters, der am 1. März 1792 verschied, den Thron bestieg und den kaiserlichen Hofstaat übernahm. Colloredo hatte sich in seiner bisheri­gen Dienstzeit nicht nur das volle Vertrauen sondern noch mehr die freundschaftliche Zuneigung Franzens erworben. Aus Dankbarkeit und, um den treuen Diener in seiner nächsten Umgebung zu behalten, schuf 5«) S. S. 37 ff. u. 347. 57) Über seine Pensionierung ist in den Akten und Protokollen der ein­schlägigen Archive nichts zu finden; im Staatsschematismus ist er 1812 noch ausgewiesen. Die Todesnachricht der Wiener Zeitung Nr. 10 vom 1. 2. 1812 S. 46 bezeichnet ihn als jubilierten Hof rat. 58) Zu Colloredos Lebenslauf vgl. insbesonders Beidtel, Geschichte der öster­reichischen Zentralverwaltung 1740—1848, Bd. 2, S. 20 ff., C. Wolfsgruber, Franz I., Bd. 1, S. 18 ff., 2251, Bd. 2, S. 63, V. Bibi, Kaiser Franz I., S. 12 ff., H. Rößler, Österreichs Kampf um Deutschlands Befreiung lt. Personenverzeich­nis, A. Starzer, Die niederösterreichische Statthalterei von 1501 bis 1896, S. 465. An Quellen seien besonders erwähnt Tagebuch Colloredos im habsb.-lothring. Familienarchiv, Sammelbd. 40, Nachlaß Colloredo in KFA. Fasz. 78 b, Colloredo- Akten, Tagebuch Zinzendorf 4. 3. 1792, 30. 12. 1805, 1. 1., 24. 1., 6. 2., 13. 2., 25. 2., 2. 3., 3. 3., 6. 3., 11. 3., 16. 3., 23. 3., 9. 4. 1806. 5») OMeA. Prot. 1787, ZI. 1775, Or. Colloredo-Akten, Karton 2, Konv. X. 80) Im Konzept der Ernennungsurkunde vom 21. 9. 1793 erwähnt, ein dies­bezüglicher Akt ist nicht aufzufinden. Reichskanzlei, Geheime Räte Fasz. 2. «i) Liste Nominale des Chevaliers de l’Ordre illustre de la Toison d’Or, 1904, S. 49, Nr. 832.

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