Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

III. Die Hoheitsrechte des Monarchen

118 desordnungen: Dem König allein steht das Recht zu, den Landtag und die Kreiszusammenkünfte auszuschreiben, auf den Landtagen Proposi­tionen einzubringen, Kontributionen zu begehren3). Ihm steht das Ge­setzgebungsrecht 4), und die Amtshoheit — das Recht, das Landrecht und die Landesämter zu besetzen5) zu, welches Recht aber durch Sonder­bestimmungen wie z. B. daß das Amt des Appellationspräsidenten nur mit einem Mitglied des Herrenstandes, das des Landschreibers, des Unter­kämmerers und des Grätzer Burggrafen mit Mitgliedern des Ritterstandes nach einem Gesetz des Jahres 1497 zu besetzen seien, beschränkt wurde. Er ist der oberste Gerichtsherr; Urteile des Landrechtes, die Leib und Leben, Treu und Ehre absprechen, bedürfen seiner Sanktion; vom Land­recht geht die Revision an den König 6). Er besitzt die Militärhoheit, hat im Kriegsfälle das Recht auf Hilfeleistung aller Art, nimmt Kriegswer­bung und Musterung vor7). Er schließt Bündnisse8). Ihm allein steht es zu, Wochen- und Jahrmärkte anzusetzen, Städte, Schlösser und Festun­gen zu bauen und mit Mauern zu befestigen; ohne seine Bewilligung darf keine alte Stadt, Schloß oder Festung niedergerissen werden. Er be­sitzt das Maut- und Zollrecht; nur mit seiner Bewilligung darf eine Maut oder ein Zoll aufgerichtet oder bestehende erhöht werden 9). Der König allein erhebt in den Adelsstand und verleiht Wappen 10). Er allein ver­fügt über verwirkte Güter und erteilt freies Geleite11). Ihm verfallen Gut und Vermögen aufrührerischer Untertanen und ihrer Helfer 12). Er bewilligt die Erwerbung von Landgütern durch Ausländer im Wege des Kaufes oder anderer Verträge; Bewohner Mährens bzw. Böhmens, Schle­siens, der Ober- und Niederlausitz gelten nicht als Ausländer 13). Ferner besitzt der König das Berg- und Münzregal14). Geistliche Güter, Stif­tungen, Renten und Einkommen dürfen nur mit Genehmigung des Königs als Obersten Vogts und Schutzherrn veräußert werden15). Dem König des Erb-Königreiches Böhmen, Prag 1888 (fortan zitiert b. L. O.) und Ver- neuerte Ordnung des Erb-Markgrafthums Mähren 1628, Brünn 1890 (fortan zitiert m. L. O.) s) b. L. O., A. IV. V. VI; m. L. O. A. IV. 4, 5, 6. 4) b. L. O., A. VIII. m. L. O., A. IV, 8. 5) b. L. O., A. IX, XXXVI—XLIX, m. L. O. A. V. 9, XXI. 36—XXII. 54. «) b. L. O. A. X, B. IV, XXXIV, F. IV, V, XXXIX, LXXV, LXXVI, LXXVIII, LXXXII, G. IX, M. XXX, O. XI, XIII, R. VII., m. L. O. A. V. 10, B. XXIII. 58. XXVI, XXIX. 95. LII. 222. 223. 225. 229. LIV. 239. LXXVIII. 376. LXXX. 426, 428. XCVIII. 561. 7) b. L. O. A. XI. XII., m. L. O. A. VI. 11. 12. 8) b. L. O. A. XIII., m. L. O., A. VII. 13. «) b. L. O. A. XIV, m. L. O., A. VIII. 14. i») b. L. O., A. XV. XVI., m. L. O., A. IX. 15. 16. 11) b. L. O. A. XVII. XVIII., R. XXVII—XXX., m. L. O. B. XCIX. 580—582. 12) b. L. O., S. XIII., m. L. O. C. CII. 597. 13) b. L. O. A. XX., m. L. O., A. X. 19. 14) b. L. O. A. XXI., m. L. O., A. XI. 20. 1«) b. L. O., A. XXV. XXVI., m. L. O. A. XV. 24. 25.

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